Der Fall Rudolf (1994)

Interview mit Germar Rudolf durch Wilhelm Schlesiger, Herbst 1994

Schlesiger: Sehr geehrter Herr Rudolf, in der letzten Zeit wurde einiges über Sie als dem Auschwitz-Gutachter geschrieben und berichtet. Man hat Ihnen alle möglichen Extremismusvorwürfe gemacht und Sie als Chefideologen der politischen Rechten verdächtigt. Nie jedoch hat man irgendwelche Belege für diese Verdächtigungen vorgebracht. Mich interessiert nun nach allem, was berichtet wurde, was Sie für ein Mensch sind. Was hat Sie in Ihrer Jugend, die Sie mit 29 Jahren ja gerade erst hinter sich gebracht haben, am meisten geprägt?

Rudolf: Am meisten wird mich sicherlich mein liberal-konservatives katholisches Elternhaus geprägt haben mit den darin übermittelten Glaubens- und Moralvorstellungen. Ich habe in meiner Jugendzeit und auch während meines Chemie-Studiums immer die Nähe zur katholischen Kirche gesucht, sei es in der katholischen Jugendarbeit oder in einer katholischen Studentenverbindung, der übrigens auch Kardinal Josef Höffner angehörte.

Schlesiger: Haben Sie sich in dieser Zeit politisch engagiert?

Rudolf: Freilich, und zwar im Sinne einer christlichen Politik. Dies hat sich aber kaum in parteipolitischem Engagement gezeigt. So war ich nur kurze Zeit in der Jungen Union, und meine Sympathie für eine bundesweite CSU ging auch zu Ende, nachdem ich festgestellt hatte, daß die CDU niemals eine bundesweite Partei neben sich dulden würde. Alle dahingehenden Versuche werden ja bis heute mit allen möglichen, auch sehr zweifelhaften Methoden verhindert.

Schlesiger: Wo sehen Sie sich heute politisch?

Rudolf: Im Niemandsland. Ich versuche heute, eine wissenschaftliche Frage rein sachlich zu bearbeiten und jede Politik herauszuhalten. Allerdings versucht alle Welt, diese Frage mit allen Mitteln zu politisieren, was nicht nur meiner Arbeit und mir selbst schadet, sondern mit Gewißheit auch denen, die damit politisieren. Außerdem bin ich durch meine Forschungen zur Erkenntnis gelangt, daß es nichts Schädlicheres auf dieser Welt gibt, als geheiligte Dogmen und Ideologien, die man auch gegen die Realitäten und auf Kosten dieser Welt durchzusetzen versucht. Oder auf gut deutsch: Mich ekelt das schmutzige Geschäft der Politik an.

Schlesiger: Die katholische Kirche verkündet aber auch geheiligte Dogmen. An diese halten Sie sich?

Rudolf: Da ergibt sich logischerweise ein Konflikt, mit dem ich noch nicht fertig geworden bin. Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Schlesiger: Wie verhält sich die katholische Kirche Ihnen gegenüber?

Rudolf: Bisher hat es noch keine Probleme gegeben.

Schlesiger: Welches Verhältnis haben Sie zu Juden?

Rudolf: Ich muß Ihnen gestehen, daß ich keinen einzigen kenne. Daher habe ich eigentlich gar kein Verhältnis zu ihnen. Aber selbst wenn ich einen kennen würde, hätte ich wohl eher ein Verhältnis zu einem spezifischen Menschen. Den kann man aber nie als repräsentativen Vertreter eines Juden hinstellen. Ich finde daher die Frage ein bißchen unpassend. Genauso könnten Sie mich fragen: Welches Verhältnis haben Sie zu Moslems? Da sieht es bei mir ähnlich aus. Eigentlich gar keines. Das wäre wohl die richtige Antwort.

Schlesiger: Aber Sie machen sich doch sicher ein Bild von den Juden.

Rudolf: Das ist in erster Linie geprägt durch das Bild, das man im Religionsunterricht zu Schulzeiten vermittelt bekam, also vom alttestamtentarischen Charakter. Das Bild vom moderne Judentum richtet sich vor allem nach dem jeweiligen Medienbild Israels und ist natürlich auch abhängig von den Einmischungen des Zentralrats der Juden in die bundesdeutsche Politik. Mehr Platz hat dieses Thema eigentlich nicht in meiner geistigen Auseinandersetzung mit meiner Umwelt.

Schlesiger: Empfinden Sie es als normal, daß sich ein junger Diplom-Chemiker aufmacht zu erkunden, ob mit den Geschichten über die Gaskammern von Auschwitz etwas nicht in Ordnung sein könnte?

Rudolf: Nein, sicher nicht. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, daß wir zu Schulzeiten nicht gerade angetan waren, die Geschichten über den Holocaust anhören zu müssen. Es ist wohl eher normal, daß man sich von diesem unschönen und besonders für Deutsche unbequemen Thema abwendet. So jedenfalls ist die normale Reaktion der Menschen, wenn ich heute mit ihnen darüber diskutieren möchte. Aber auch im Ausland ist die Reaktion der Menschen nicht viel anders. Wer wühlt schon gern in den tatsächlichen oder nur vermeintlichen Leichenbergen vergangener Epochen.

Schlesiger: Was aber hat Sie dann bewogen, diese Untersuchungen zu machen?

Rudolf: Ein Großteil liegt sicher in meiner Erziehung begründet. Streitkultur, also die sachliche Auseinandersetzung mit den Meinungen anderer, war eine der großen Nüsse, die ich in meiner Kindheit und Jugend zu knacken hatte. Es hat lange gedauert, bis ich akzeptieren konnte, daß man auch völlig abweichende Meinungen akzeptieren muß, ohne deswegen den Meinungsträger zu verdammen. Auch bei solchen Meinungen gilt es zunächst zuzuhören, um dann die Argumente aufzugreifen und sie je nach Möglichkeit zu entkräften. Das ist ja auch eines der großen Ziele der Erziehung zur Demokratie und eines der Ideale der 68er Bewegung: Über alles muß ohne Tabus diskutiert werden dürfen.

Schlesiger: Widmeten Sie sich der Auschwitz-Forschung, weil Sie merkten, daß es dort keine Streitkultur gibt?

Rudolf: Nicht so voreilig. Ich hörte zuerst jenen Leuten zu, die der Meinung waren, daß mit der etablierten Geschichtsschreibung über den Holocaust etwas nicht in Ordnung sei. Normalerweise läßt man solche Leute heute einfach mit ihrer Meinung im Regen stehen oder man sorgt z.B. mittels der Justiz dafür, daß ihnen der Mund gestopft wird. Mir schien das damals aber nicht der Weg zu sein, den ein aufgeklärter, streitfähiger und diskussionswilliger junger Mann gehen sollte.

Schlesiger: Und da kamen Ihnen Zweifel an Ihrem Geschichtsbild?

Rudolf: Nicht nach den ersten Gesprächen, denn die Argumente waren meiner Meinung nach ziemlich jämmerlich. Erst nach einer Diskussion mit einem ehemaligen FDP-Mitglied merkte ich, daß es auch bei diesem Thema Menschen gibt, die ohne die übliche hysterische Aufregung sachlich und kontrovers diskutieren können. Das hat mich stark beeindruckt. Daraufhin habe ich begonnen, die Sache selber etwas kritischer unter die Lupe zu nehmen.

Schlesiger: Hat dieser FDPler Sie überzeugt?

Rudolf: Das hat er nicht erreichen können, es lag aber auch gar nicht in dessen Sinn. Das einzige, was er praktizierte, war die schrankenlose, tabulose und freie Diskussion über alles, was sonst als verpönt galt. Er hat nur meinen Geist vorbereitet, Zweifel wenigstens zuzulassen, mehr nicht.

Schlesiger: Damit war also der mentale Grundstein gelegt, auf dem später Ihre gutachterliche Tätigkeit aufbauen konnte. Über die Entstehung Ihres Gutachtens über die Gaskammern von Auschwitz selber haben Sie im Herbst 1993 Fritz Berg, einem Mitarbeiter des kalifornischen Institute for Historical Review, ein Interview gegeben. In diesem Interview haben Sie ausgeführt, das Institut für Zeitgeschichte habe nie auf Ihre Zusendungen reagiert. Inzwischen liegt ja eine Stellungnahme des offiziellen Instituts für Zeitgeschichte vor.[1]

Rudolf: Richtig. Allerdings meint das Institut, daß es auf mein Gutachten aus zwei Gründen nicht einzugehen brauche. Erstens sei der Massenmord von Juden in den Gaskammern von Auschwitz offenkundig, und deshalb nicht widerlegbar, und zweitens habe der französische Apotheker Pressac in seiner neuen Studie die Existenz der Gaskammern erneut unter Beweis gestellt.

Die erste Begründung ist meines Wissens einzigartig: Auch dem offiziellen Zeitgeschichtsinstitut der BRD gehen die Argumente aus und es zieht sich auf die Offenkundigkeit zurück. Bisher hatten die Damen und Herren dieses Instituts auf unbequeme Anfragen wenigstens mit einigen überheblichen Sätzen auf irgendwelche Literaturstellen verwiesen. Die Offenkundigkeit haben sie bisher noch nie bemüht. Das kommt einer Kapitulation gleich.

Schlesiger: Aber das Institut bezieht sich auf den französischen Apotheker Pressac…

Rudolf: …der in seiner Arbeit mit keiner Silbe auf meine Argumente eingegangen ist, ja der von seinem Forschungsansatz mit meinem Gutachten auch gar nichts gemein hat. Während ich mich den technsichen und naturwissenschaftlichen Fragen gewidmet habe, hat er lediglich Dokumente zusammengetragen und an Hand dieses Dokumentengerüstes eine Geschichte erzählt. Ich habe kürzlich ein Kurzgutachten über die Frage erstellt, ob das neue Buch von Pressac als eine wissenschaftliche Arbeit gewertet werden kann (vgl. Faksimile). Ich möchte es mit dem Verweis darauf und auf weitere kritische Literatur zu Pressacs Werken belassen. Der Hinweis des Instituts für Zeitgeschichte auf Pressac als Widerlegung meines Gutachtens jedenfalls geht völlig am Thema vorbei. Beide Arbeiten berühren sich praktisch nirgendwo.

Schreiben des Zentralrates der Juden in Deutschland an den Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans F. Zacher, 22.6.93
Schreiben des Zentralrates der Juden in Deutschland an den Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans F. Zacher, 22.6.93. (Zum Vergrößern anklicken)Antwort des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans F. Zacher, an den Zentralrat der Juden in Deutschland, 14.7.1993Antwort des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Hans F. Zacher, an den Zentralrat der Juden in Deutschland, 14.7.1993. (Zum Vergrößern anklicken)

Schlesiger: In dem oben wiedergegebenen Interview war die Rede von Maßnahmen, die gegen Sie ergriffen wurden. Zuerst ist hier die Hausdurchsuchung zu erwähnen, die Sie über sich ergehen lassen mußten. Können Sie uns schildern, wie es soweit kommen konnte?

Rudolf: Schon im Herbst 1992 erhielt ich die Nachricht von der Staatsanwaltschaft, daß man gegen mich ermitteln würde. Mir wurde vorgeworfen, ich habe ein Gutachten über die Gaskammern von Auschwitz geschrieben, mit dem Generalmajor Remer in seinem Mitteilungsblatt Remer Depesche Propaganda machen würde. Mehr erfuhr ich damals selber nicht, zumal daraufhin keine weiteren Aktionen folgten.

Erst im April 1993 wurde die Sache akut, als nämlich Generalmajor Remer gegen meinen ausdrücklichen Willen widerrechtlich mein Gutachten raubkopiert, es mit saftigen politischen Kommentaren versehen und an alle möglichen Politiker, Juristen, Medien und Wissenschaftler geschickt hatte. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft im Juli 1993 gegen mich ein Ermittlungsverfahren wegen Anstiftung zur Beleidigung der Juden und zur Volksverhetzung gegen die Juden ein, da man fälschlich annahm, daß ich hinter der Aktion Remers stehen würde. Am 30. September erschienen schließlich bei mir um 7 Uhr früh 2 unifomierte Polizisten, 7 Kriminalbeamte, 2 Staatsanwälte und ein Beamter meiner Wohngemeinde und beschlagnahmten alles, was nicht niet- und nagelfest war: Akten, Schriftverkehr, Bankauszüge, Bücher, Quellenmaterial, Rechneranlagen, Fotos usw.

Schlesiger: Das ist ein ungewöhnlich aufwendiges Verfahren. Normalerweise sind bei einer solchen Hausdurchsuchung nur wenige Beamte zugegen und ganz selten nur Staatsanwälte.

Rudolf: Ich nehme an, daß die Staatsanwälte ihren eigenen Beamten nicht trauten, zumal die auch wissen, daß es sich hier um eine politische Willkürmaßnahme handelt, für die sie gegen ihren Willen mißbraucht werden.

Schlesiger: Müßten sich nicht auch die Staatsanwälte dagegen sträuben?

Rudolf: Einer der beiden Staatsanwälte war der Herr Schrimm, der schon seit Jahrzehnten alle tatsächlichen oder vermeindlichen NS-Verbrecher und Holocaust-Revisionisten gnadenlos hetzt. Er gilt als extrem scharf und politisch absolut zuverlässig. Von ihm kommt sicher keine Kritik an solchen widerrechtlichen Aktionen.

Schlesiger: Haben Sie Ihre Unterlagen inzwischen zurückerhalten? Immerhin sind nun 6 Monate vergangen.

Rudolf: Kein Stück. Man ermittelt sich tot und findet offensichtlich partout kein Belastungsmaterial gegen mich. So wird man vermutlich noch in einigen Jahrhunderten gegen mich ermittlen, bis ich einst wie neulich Galileo Galilei 400 Jahre nach meinem Tod rehabilitiert werde.

Schlesiger: Ein anderer Komplex ist Ihre Entlassung aus dem Max-Planck-Institut für Festkörperforschung. Nun gibt es ja ein Dokument, aus dem hervorgeht, daß der Zentralrat der Juden massiv bei der Max-Planck-Gesellschaft interveniert hat, um Ihre gutachterliche Tätigkeit zu unterbinden. Hat dieses Schreiben letztlich auch zu Ihrer Entlassung geführt?

Rudolf: Das Schreiben ist nach meiner Entlassung erstellt worden, kann also selber keinen Einfluß auf meine Entlassung gehabt haben. Anders sieht es möglicherweise mit der im Brief angesprochenen telefonischen Intervention von Bubis aus, die im April erfolgte.

Dieses Schreiben des Zentralrates wurde im von mir angestrengten Arbeitsgerichtsprozeß von der Max-Planck-Gesellschaft als nachträglicher Beweis dafür vorgelegt, daß ich als Mitarbeiter untragbar geworden sei. Von daher wird die Intervention von Bubis sicherlich schon mächtigen Eindruck hinterlassen haben. Tatsächlich aber haben viele Vereinigungen politischer, wirtschaftlicher wie wissenschaftlicher Couleur bei der MPG interveniert, so daß hier bestimmt keinem die alleinige Schuld zugeschrieben werden kann.

Schlesiger: Wie endete der Arbeitsgerichtsprozeß?

Rudolf: Mit einer Rücknahme der fristlosen Kündigung seitens der Max-Planck-Gesellschaft und der Umwandlung in eine Vertragsauflösung im gegenseitigen Einvernehmen.

Schlesiger: Also ein Teilsieg für Sie?

Rudolf: Nein, wohl eher ein Gnadenakt seitens der MPG, denn die Richterin am Arbeitsgericht hat während der Verhandlung deutlich gemacht, daß jemand, der die These aufstelle, gewisse Ereignisse des Holocaust hätten nicht stattgefunden, sich ohnehin im rechtsfreien Raum befinde. Einem solchen Angestellten könne daher immer gekündigt werden. Sie hat mich damit quasi für vogelfrei erklärt.

Schlesiger: Die Max-Planck-Gesellschaft hat kurz vor Ihrer Entlassung im Mai 1993 und unmittelbar nach der Beendigung des Arbeitsgerichtsprozesses zwei Presseerklärungen abgegeben, die sich jeweils kaum unterscheiden. Sie haben am 29. März 1994 zu der zweiten Erklärung der MPG vom 28. März 1994 einen Offenen Brief an diese geschrieben, mit der Sie auf deren Presseerklärung vom 28 März 1994 reagierten. Mit den darin gemachten Aussagen macht man sich nicht gerade Freunde, insbesondere wenn man mit die angesehenste Forschungsgesellschaft der Welt der wissenschaftlichen Inkompetenz zeiht.

Rudolf: Meines Erachtens ist es absolut erbärmlich, wenn sich eine so angesehene Gesellschaft wie die Max-Planck-Gesellschaft der nun langsam wirklich akut werdenden wissenschaftlichen Frage nach der technischen Durchführbarkeit des angeblich einzigartigen Massenmordes an den Juden im Dritten Reich einfach dadurch entzieht, indem sie sich auf die Offenkundigkeit beruft. Natürlich ist mein Schreibstil provokativ, aber offensichtlich verstehen die Wissenschaftler hierzulande selbst dieses überaus deutliche Deutsch nicht mehr. Es wird ihnen über kurz oder lang doch nichts anderes übrig bleiben, als auf meine Argumente einzugehen, denn stumm werde ich nicht werden. Gerade auf diese Gegenargumente aber warte ich ja, und um diese zu bekommen, muß ich den sich im Beamtenschlaf befindenden Herren in den Chefsesseln offensichtlich noch fester auf die Zehen treten.

Schlesiger: Die unerlaubte Verwendung von Briefköpfen des Institutes für Ihre privaten Schreiben war offensichtlich eine der Hauptgründe, weswegen Sie angegriffen wurden.

Rudolf: Richtig, zumal eigentlich nur die offziellen Vertreter des Instituts den Briefkopf verwenden dürfen. Aber was kaum einer weiß: Bis zur Jahreswende 1991/92 besaß das Max-Planck-Institut einen zentralen Großrechner, auf dem fast jeder am Institut seinen Briefverkehr erledigte, auch manchmal seinen privaten. Dieser Großrechner war so eingerichtet, daß er auf jeden Brief, der ausgedruckt wurde, automatisch den offiziellen Briefkopf setzte. Somit hat bis zu diesem Zeitpunkt praktisch jeder am Institut den Kopf verwendet. Wenn man das weiß, kann man verstehen, wieso dieses sogenannte kleine Dienstvergehen praktisch zum Kavaliersdelikt verkommen war, als ich seinerzeit einen geringen Bruchteil meiner Korrespondenz damit schrieb.

Schlesiger: Die DEGUSSA AG hat sich ja nun besonders über die Verwendung von MPI-Briefköpfen aufgeregt. In einer eidesstattlichen Erklärung hat ein dortiger Mitarbeiter festgestellt, daß er Ihnen niemals irgendwelche Informationen gegeben hätte, wenn er den Zweck Ihrer Studie gekannt hätte. Er und mit ihm seine Firma erklärten, daß Ihre Danksagung an die DEGUSSA quasi einem Rufmord gleichkäme. Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen?

Rudolf: Sie können sicher sein, daß ich die gewünschten Informationen von der DEGUSSA oder von anderen Firmen auch erhalten hätte, wenn ich nicht unter dem Briefkopf des MPI firmiert hätte, sondern unter einem privaten als Diplom-Chemiker. Die Information über firmeneigene Produkte an außenstehende Fachleute ist eine wichtige Frage des betrieblichen Marketings. Ohne Produktinformation kein Geschäft. Das Geschrei der DEGUSSA um den Briefkopf ist daher kindisch.

Ansonsten finde ich die Äußerung der DEGUSSA sehr aufschlußreich, sie wolle Informationen nur dann weitergeben, wenn ihr der Zweck gefalle, zu dem sie verwendet werden. Es ist anscheinend nicht weit her mit der wissenschaftlichen Unabhängigkeit der Forscher dieser Gesellschaft. Angebrachter wäre hier wohl eine fundierte, sachliche Erwiderung auf meine inhaltlichen Aussagen in meinem Gutachten. Den Herren fallen aber wohl nur Verwünschungen ein.

Heinrich Winkeler

Auf der Röde 3
63584 Gründau
den 10.03.1994

Eidesstattliche Versicherung

[…] Ich bin seit 1974 bei der Firma Degussa […] tätig. […]

Im Juni 1991 erhielt ich eine Anfrage des Herrn Germar Rudolf vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung/Stuttgart bezüglich der Kalkechtheit von VOSSEN-Blau. Im Rahmen meiner Aufgabe […] habe ich ihm Auskunft erteilt und ihm meine technische Stellungnahme schriftlich am 18.06.1991 per Fax zugeschickt […]. Dabei bin ich davon ausgegangen, daß dies im Interesse der ohnehin auf technischen gebieten bestehenden Zusammenarbeit zwichen der Degussa und dem Max-Planck-Institut zweckmäßig und sinnvoll sei.

Seit dem 09.03.1994 liegt mir nun das sog. „Rudolf Gutachten“ vor, das auf Seite 51 auf den Inhalt meiner Stellungnahme Bezug nimmt und mein Schreiben an das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung/Stuttgart unter Nennung meines Namens im Quellenverzeichnis unter [139] aufführt.

Ich bin empört, daß mein Name und der meiner Firma in diesem Zusammenhang genannt werden. Hätte ich gewußt, daß meine Information für neonazistische Propaganda-Zwecke benutzt wird, hätte ich keine Auskunft erteilt und jeden weiteren Versuch der Kontaktaufnahme unterbunden. Des weiteren hätte ich meinen Vorgesetzten umgehend über diesen Vorgang informiert.

Ich bin entsetzt über Machenschaften dieser Art und fühle mich persönlich betroffen von der Hinterlist, mit der ich im Zusammenhang mit diesem Machwerk mißbraucht worden bin.

Gez. Heinrich Winkeler.

Mir jedenfalls ist absolut rätselhaft, was die Kalkbeständigkeit von VOSSEN blau (=Eisenblau) mit neonazistischer Propaganda zu tun hat. Die kommt in meinem Gutachten nicht vor. Es geht darin lediglich um chemische und ingenieurtechnische Fragen.

Neu ist mir, daß die in jeder wissenschaftlichen Arbeit zu findende Danksagung am Ende derselben auf einmal Rufmord sein soll. Ich habe lediglich jedem, der mir wie auch immer unterstützend zur Seite stand, gedankt. Damit ist natürlich nichts darüber gesagt, daß die direkten oder indirekten Helfer von vornherein das Ergebnis meiner Untersuchungen kannten. Die kannte ich ja noch nicht einmal selbst. Sie müßten sich nur einmal vorstellen, was die Herren heute sagen würde, wenn ich in meinem Gutachten zu dem umgekehrten Schluß gekommen wäre, als ich es tatsächlich bin. Sie würden mich heute vermutlich mit Ruhm und Ehre überhäufen. Die von mir am Ende des Gutachtens aufgeführte Danksagung ist im wissenschaftlichen Betrieb üblich. Unüblich ist allein das Ergebnis der Studie. Das ist der wahre Kern des Problems.

Übrigens wurde mir der Auftrag zur Erstellung des Gutachtens erst im Juli 1991 erteilt. Bis dahin waren die laufenden Forschungen, also auch die Anfragen bei Degussa, reine Freizeittätigkeiten ohne besonderen Zweck. Die Institutsleitung hat mir damals bestätigt, daß gegen diese außerdienstliche Forschung mit einfachen Mitteln des Instituts, wie Bibliotheken und Datenbanken, aus reiner privater Neugier nicht nur nicht verboten, sondern im Interesse einer motivierten Forschung sogar gern gesehen seien.

Schlesiger: Sie erwähnen in Ihrem offenen Brief an die Max-Planck-Gesellschaft, die Anwälte der Degussa hätten ausgeführt, daß ihre Mandantin alle Aufträge aus den USA auf Druck Israels verlieren würde. In dem entsprechenden Schreiben der Anwälte liest man aber nur, daß der Degussa ein Auftragsverlust aus Israel und den USA droht.

Rudolf: Richtig. Als ich den Offenen Brief schrieb, hatte ich nur eine fernmündliche Information über den vermeintlichen Inhalt des Anwaltschreibens, die ich entweder falsch verstanden habe oder die mir falsch gegeben wurde. Eine Ablichtung des Schreibens selbst erhielt ich erst knapp eine Woche später. Diese Passage des Briefes muß ich also relativieren. Dennoch scheint mir interessant, nach welchen Kriterien israelische und US-Firmen in der Vorstellung der Degussa Aufträge vergeben sollen. Zumal Israel und die USA jene Staaten der Welt sind, in denen der jüdische Einfluß am größten ist, kann man sich ausmalen, wessen direktem oder indirektem Einfluß solch einem von der Degussa befürchteten Auftragsverhalten zugrunde liegen soll. Letztlich bleibt es sich also gleich, ob der Einfluß direkt von Israel kommt oder von pressure groups ähnlicher Intentionen vor Ort.

Schlesiger: Nun wurden Sie ja nicht nur an die Luft gesetzt, sondern Ihnen wird ja von der Universität auch die Zulassung zur Doktorprüfung verweigert. Mit welcher Begründung geschieht dies.

Rudolf: Da ich alle formellen und wissenschaftlich qualitativen Voraussetzungen erfüllt habe, habe ich nach der herrschenden Rechtsprechung ein Anrecht auf die Zulassung zur Doktorprüfung. Die Universität stellt sich nun aber auf den Standpunkt, daß ich nicht würdig sei, den Doktortitel zu erwerben.

Schlesiger: Die Würde als Voraussetzung zum Erwerb bzw. zum Tragen akademischer Graden wurde erst in einem Gesetz von Adolf Hitler 1939 festgelegt.[10]

Rudolf: Sicher, aber es beinhaltet kein spezifisches NS-Gedankengut und gilt daher noch heute. Allerdings hat der Verwaltungsgerichtshof Mannheim festgestellt, daß heute die Würde eines Bewerbers um einen akademischen Titel auf jeden Fall gegeben ist, wenn er nicht rechtskräftig wegen einer schweren Straftat verurteilt wurde, die zu einer Eintragung in das Polizeiliche Führungszeugnis führte.[11]

Schlesiger: Das ist ja bei Ihnen nicht der Fall.

Rudolf: Noch nicht einmal Anklage wurde gegen mich erhoben.[12] Die Universität hat aber mein Promotionsverfahren mit der Begründung ausgesetzt, daß sie auf eine Anklageschrift gegen mich oder gegen Generalmajor Remer warte und erst bei Vorlage dieser entscheiden wolle, ob ich zur Prüfung zugelassen werde oder nicht. Da niemand weiß, ob überhaupt jemals gegen mich Anklage erhoben wird, ist dies an sich schon skandalös. Daß mein Promotionsverfahren sogar von einem eventuellen Strafverfahren gegen einen Dritten abhängig sein soll, ist kaum mehr zu fassen. Wirklich unglaublich aber ist der Umstand, daß man mir mein Recht auf eine Abschlußprüfung vorenthält, obwohl dies frühestens dann sein dürfte, wenn ich rechtskräftig wegen einer schweren Straftat verurteilt worden bin. In einem Rechtsstaat gilt man nämlich solange als unschuldig, wie nicht rechtskräftig das Gegenteil erwiesen ist. Daher dürfen mir aus einem Ermittlungsverfahren, dessen Ausgang niemand kennen kann, keine anderweitigen Rechtsnachteile entstehen.

Schlesiger: Wurden der Universität diese Umstände mitgeteilt?

Rudolf: Freilich. Die Universität beruft sich mit ihrem Vorgehen explizit auf das oben erwähnte Verwaltungsgerichtsurteil, obwohl mir danach ja gerade die Abschlußprüfung zustünde. Mehr noch: Das damalige Urteil gestand sogar einem Bewerber den Doktortitel zu, der einen Eintrag im Führungszeugnis wegen Opium- und Eigentumsdelikten hatte, der sich aber schon einige Zeit als rehabilitiert erwies. Auf den Hinweis, daß in einem Rechtsstaat jeder vor Beweis des Gegenteils als unschuldig gilt, erwiderte der zuständige Sachbearbeiter der Universität mir gegenüber nur, daß dies nicht immer so sei. Über die Art der Ausnahmen wollte er aber keine Auskunft geben.

Schlesiger: Was gedenken sie, gegen diese Willkür zu unternehmen?

Rudolf: Ich habe Klage gegen die Universität erhoben. Hier wird sich entscheiden, ob Revisionisten wirklich rechtlose Menschen sind.

Schlesiger: Die von ihnen im obigen Offenen Brief angesprochene dpa-Meldung haben Sie jüngst in einer Pressemitteilung als Fälschung bezeichnet. Hat die dpa inzwischen angegeben, woher sie ihre Expertenmeinung hat oder wer der Verantwortliche der Meldung ist?

Rudolf: Nachdem Herrn Meinecke sich heillos in seinen widersprüchlichen Aussagen verfangen hatte, habe ich von ihm nichts mehr gehört. Auf weiteres Drängen hin ließ sich jedoch der Chef der dpa-Abteilung Inland von Hamburg aus zu einer Erklärung hinreißen (vgl. Faksimile). Danach soll der Experte, der diese Aussage getätigt haben soll, darum gebeten haben, daß sein Name nicht genannt wird.

Schlesiger: Halten Sie diese Erklärung für plausibel?

Rudolf: Ich habe herzhaft über diese Behauptung der dpa gelacht. Nichts geht mehr bei der dpa, man ist in einer Sackgasse. Kurz nach Eingang dieses Schreibens der dpa-Chefredaktion kam am 15.4.94 ein Fax aus Stuttgart mit folgendem Text: »Sehr geehrter Herr Rudolf, ich weise Ihre Unterstellungen zurück. Bitte wenden Sie sich in dieser Sache künftig an die Chefredaktion in Hamburg. Hochachtungsvoll Meinecke.«

Dieses automatisch erstellte Schreiben ohne eigenhändige Unterschrift kam über zwei Wochen nach der falschen dpa-Meldung. Offensichtlich ist Meinecke von der Chefredaktion vergattert worden, sich pauschal gegen meine Vorwürfe zu verwahren und keine weiteren Aussagen zu machen, um weiteren Schaden zu verhüten.

dpa

Chef Inland

dpa Deutsche Presseagentur GmbH, Postfach 13 02 82, 20102 Hamburg

Hamburg, den 13. April 1994

Sehr geehrter Herr […],

[…] Die dpa hat in der von Ihnen herangezogenen Meldung an keiner Stelle behauptet, daß es sich bei der Expertenmeinung über den Zerfall von Blausäure um Angaben der Max-Planck-Gesellschaft handelte.

Wir haben uns vielmehr auf einen Experten gestützt, an dessen fachlicher Qualifikation keinerlei Zweifel bestand und besteht. Dieser Wissenschaftler hat aus Gründen, die wir respektieren müssen, darum gebeten, nicht namenlich zitiert zu werden.

Die Erklärung von Herrn Rudolf vom 8. April, in der er der dpa Fälschung vorwirft, enthält eine Reihe unzutreffender Behauptungen – nicht nur, aber auch hinsichtlich der Auskünfte, die Anrufern im Stuttgarter Büro angeblich erteilt worden sein sollen.

Diese Behauptungen weise ich ebenso zurück wie Ihren Vorwurf an Herrn Meinecke, er habe „brutal gelogen“. Die dpa hat selbstverständlich nichts erfunden und nichts gefälscht.

Was den wissenschaftlichen Sachverhalt anbetrifft, so ist die Tatsache, daß Blausäure selbst sehr schnell zerfällt, unbestritten. Auch den Umstand, daß als Folgeprodukte stabile Cyanide zwar entstehen können, jedoch keinesfalls entstehen müssen, haben wir uns noch einmal von kompetenter Seite bestätigen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Dieter Ebeling, Stellv. Chefredakteur

Lassen Sie mich zunächst einige inhaltliche Punkt feststellen. Der stellvertretende dpa-Chef bestätigt in seinem obigen Schreiben indirekt, daß Herr Meinecke der Verantwortliche für die obige dpa-Meldung war. Ferner steht fest, daß Meinecke am Telefon angab, die Experten seien die der Max-Planck-Gesellschaft. Diese hat aber inzwischen schriftlich festgestellt, daß die Aussage über die mangelnde Stabilität der Cyanidverbindungen nicht von ihr stamme. Sie bezeichnete die dpa-Formulierung zurückhaltend als mißverständlich.[17] Daß die Satzstellung der dpa.-Meldungen tatsächlich zu Mißverständnissen führen mußte – und daraus ergibt sich meine Unterstellung, daß die dpa diese Mißverständnisse bewußt provoziert hat – ergibt sich aus der Reaktion von Tageszeitungen, die diese dpa-Meldung brachten. Diese bestätigten nämlich auf Nachfragen, daß mit den in der Meldung erwähnten Experten die der MPG gemeint waren.[18]

Unumstritten ist ferner, daß innerhalb der zwei Wochen, in der mehrere Personen von der dpa eine Antwort bezüglich der Experten erwarteten, Herrn Meinecke zu keinem Zeitpunkt einfiel, daß es diesen ominösen anonymen Experten gibt, und es fiel ihm peinlicherweise auch nicht von selbst ein, sich gegen meine Anschuldigungen zur Wehr zu setzen.

Schlesiger: Sie meinen, daß die Existenz dieses anonymen Experten Herrn Meinecke von Anfang an hätte bekannt sein müssen und daß er sich sofort gewehrt hätte, wenn das wahr wäre.

Rudolf: Selbstverständlich. Wenn es den anonymen Experten gibt, dann ist kein Grund ersichtlich, warum Meinecke dies nicht sofort richtiggestellt hat. Statt dessen schwindelte er erst, daß sich die Balken biegen, um dann 10 Tage betroffen zu schweigen und schließlich nach Hamburg zu laufen, um unter Papas Rock Schutz zu suchen, sprich: sich durch seinen Chef Rückendeckung geben zu lassen. Möglicherweise hat sogar die Chefredaktion selbst die Notbremse gezogen und Meinecke die Dinge, die ihm zu entgleiten drohten, aus der Hand genommen.

Schlesiger: Können Sie sich einen Grund vorstellen, warum ein angeblich anonymer Experte nicht genannt werden will?

Rudolf: Nur einen: Er schämt sich für den geistigen Dünnschiß, den er mit seiner Stellungnahme verbrochen hat.

Schlesiger: Nun führt Ebeling in dem Schreiben ja aus, daß die fachlichen Aussagen von kompetenter Seite bestätigt wurden. Offensichtlich ist man nach wie vor der Meinung, daß die dpa-Meldung sachlich richtig ist.

Rudolf: Die Anonymität des Experten beweist meines Erachtens schon aus sich heraus die sachliche Falschheit der Meldung. Denn wenn sie sachlich richtig wäre, dann gäbe es für den angeblichen Experten überhaupt keinen Grund, anonym zu bleiben, ja es hätte genügend Experten gegeben, die sich darum gerissen hätten, im Kampf gegen den ach so schrecklichen Revisionismus als Helden aufzutreten, also auch namentlich genannt zu werden.

Mir scheint folgende Erklärung wesentlich plausibler zu sein: Der Stellvertretende Chefredakteur der dpa deckt durch die Erfindung eines anonymen Experten seinen Untergebenen durch eine weitere Lüge, denn die dpa könnte sich niemals den Skandal erlauben, wenn ihr durch die Revisionisten nachgewiesen wird, daß sie Meldungen vorsätzlich fälscht.

Schlesiger: Ebeling führt aber Argumente an, die die dpa-These zu stützen scheinen.

Rudolf: Die Argumentation des Herrn Ebeling ist ein Meisterstück der Desinformation und Ablenkung. Über die von ihm angesprochene Stabilität von Blausäure selber wird nämlich weder in meinem Gutachten noch in der dpa-Meldung gesprochen und ist für die uns interessierenden Fragen auch gar nicht relevant. Es geht hier schlicht um ganz spezielle Salze der Blausäure, um Cyanide vom Eisenblau-Typ. Auch die Aussage Ebelings, nicht alle möglichen Folgeprodukte der Blausäure müßten stabil sein, ist überhaupt nicht Thema der Diskussion. Jede Säure dieser Welt bildet sowohl stabile als auch instabile Folgeprodukte. Für diese triviale Aussage muß man keine kompetente Seite konsultieren, das ist primitivste Logik. Hier geht es schlicht um die Frage, ob die im Mauerwerk von Gebäuden gebildeten Cyanidverbindungen langzeitstabil sind. Die dpa hat hier pauschal gesagt, sie würden sich innerhalb weniger Wochen auflösen. Das ist und bleibt aber Schwachsinn. Die dort gebildeten Verbindungen bleiben über Jahrhunderte erhalten.

Schlesiger: Nun enthält die Meldung der dpa ja noch viele weitere falsche Passagen, so u.a. die falsche Unterstellung, das Institut Fresenius sei auf einem Brief mit MPI-Briefkopf beauftragt worden. Haben Sie versucht, gegen diese Falschdarstellungen Richtigstellungen bei den Zeitungen durchzusetzen.

Rudolf: Das habe ich, aber leider bisher ohne Erfolg. Zur Zeit wird gegen einige Zeitungen vor Gericht prozessiert, um die Gegendarstellung durchzusetzen.

Schlesiger: Rechnen Sie sich Erfolgschancen aus?

Rudolf: Das hängt von den Richtern ab. Wenn es solche sind, die ähnlich der Richterin am Arbeitsgericht argumentieren, dann nicht, denn nach dieser Argumentation bin ich ohnehin rechtlos, da Revisionist.

Schlesiger: Einen neuen Höhepunkt der Hexenjagd gegen Sie läutete der Südwestfunk mit seiner linken REPORT-Sendung in der ARD vom 11. April 1994 ein. Wann und wie haben Sie erfahren, daß das Fernsehen sich für Sie interessiert?

Rudolf: Der für diesen Beitrag zuständige Reporter Stefan Rocker hat sich etwa zwei Wochen vorher telefonisch an mich gewandt mit der Bitte um ein Interview…

Schlesiger: …das Sie ihm offensichtlich nicht gewährt haben.

Rudolf: Ich hätte es ihm schon gewährt. Aber nur, wenn es sich um eine Live-Sendung gehandelt oder wenn er vorwiegend zu den von mir angeführten Sachargumenten Fragen gestellt hätte. Rocker hat mir aber erklärt, daß er an einer Sachauseinandersetzung kein Interesse habe, sondern daß er lediglich die politische Seite des ganzen beleuchten wolle. Er sagte ohne Umschweife, daß er darauf aus sei, die politisch rechten bis rechtsextremen Intentionen und Verstrickungen aufzudecken, die er bei jedem vermutet, der sich revisionistisch mit dem Thema beschäftigt. Ähnlich hat er sich übrigens auch gegenüber Prof. Haverbeck geäußert, der sich daraufhin weigerte, die inquisitorischen Fragen Rockers zu beantworten.

Schlesiger: Dann war Ihnen also von vornherein klar, daß in dem Beitrag kein einziges Sachargument genannt würde, sondern daß es lediglich darum ging, Sie als Neonazi zu diffamieren.

Rudolf: Damit hatte ich fest gerechnet. Ich habe 2 Tage zuvor vor einem Kreis von vielleicht 45 Zuhörern ungefähr folgend Voraussage bezüglich des Inhalts dieser Report-Sendung gemacht: Da man von den deutschen Revisionisten selber praktisch keine Bilder haben wird, wird man neben diesem geringen Material Szenen aus dem Film Schindlers Liste ebenso einbauen wie die üblichen Leichenbilder, angeblich tote Juden darstellend, die ausgebrannte Synagoge von Lübeck, einige Szenen aus Veranstaltungen rechter bis rechtsextreme Vereinigungen sowie vielleicht sogar einige Hitler-grüßende Jugendliche.

Schlesiger: Da haben Sie ja recht gut gelegen mit Ihrer Vorausssage. Lassen Sie mich zunächst einmal rekapitulieren, was in diesem Beitrag neben Ihrer Person sonst noch alles als gefährlich rechtsextremistisch bezeichnet wurde. Da erschienen der amerikanische Gaskammerexperte F.A. Leuchter mit dem NPD-Bundesvorsitzenden G. Deckert, der britische Historiker D. Irving, die Geschichtsprofessoren E. Schlee und W.G. Haverbeck, der rechte Grabert-Verlag, die konservative Zeitschrift Criticon, die konservative Wochenzeitung Junge Freiheit, Bücher von Deutschlands größtem Verlagshaus Ullstein – Langen Müller, die liberalkonservative Tageszeitung Die Welt und die liberale bayerische Thomas-Dehler-Stiftung. Demnach wäre also alles, was sich rechts vom linken CDU-Flügel bewegt, des Rechtsextremismus verdächtig, wollte man sich den Ausführungen von Report anschließen.

Rudolf: Report hat einen riesigen Topf aufgestellt und alles, was verdächtigt wird, politisch rechts der linken Mitte zu stehen, hineingeworfen und eine dicke braune Soße darübergeschüttet. Allein schon diese völlig undifferenzierte Eintopfpolitik beweist, daß es sich bei diesem Beitrag um Schmierenjournalismus übelster Provenienz handelt.

Schlesiger: Lassen Sie uns zunächst über einzelne Szenen sprechen, die Sie direkt angehen. Da wird Ihnen zunächst vorgeworfen, Sie hätten Ihrem Gutachten den Namen Das Blaubuch gegeben, angeblich mit zynischen Hintergedanken an das Giftgasprodukt Zyklon B.

Rudolf: Das ist ein sehr interessanter Punkt. Niemals habe ich ein Gutachten jemandem zugänglich gemacht, das diesen Namen trug. Tatsächlich heißt mein nunmehr veröffentlichtes Gutachten Das Rudolf Gutachten, und auch die von Remer raubkopierte Version hieß lediglich Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den ‚Gaskammern‘ von Auschwitz. Der Titel Blaubuch war von mir um die Jahreswende 1991/92 für ein Manuskript gewählt worden, das jedoch nie vervielfältigt oder gar veröffentlicht wurde. Der Titel Blaubuch hat auch direkt gar nichts mit Zyklon B zu tun, sondern mit dem mittlerweile so berühmten Farbstoff Eisenblau, der sich in den Entlausungskammern in Auschwitz aus der Blausäure des Produktes Zyklon B gebildet hat. Gerade weil ich damals schon befürchtet hatte, daß man mir bezüglich der Titelwahl Zynismus vorwerfen könnte, habe ich ihn verworfen. Das damalige Manuskript wurde im September 1993 von der Polizei in meiner Wohnung beschlagnahmt. Offensichtlich hat die Polizei dieses Manuskript dem Südwestfunk zugespielt. Es ist noch zu prüfen, ob eine Dienstaufsichtsbeschwerde angebracht ist. Jedenfalls hat die von Report gezeigte Titelseite nichts mit der von mir autorisierten veröffentlichten Form des Gutachtens zu tun.

Schlesiger: Haben Sie mit dem Namen Ihres ehemaligen Arbeitgebers Werbung gemacht?

Rudolf: Werbung für mein Gutachten macht der Verlag, der es verlegt. Da ich das Copyright für mein Gutachten verkauft habe, habe ich darauf auch keinen Einfluß mehr. Die vom Verlag getätigte Werbung beinhaltet lediglich längere Auszüge aus einer Presseerklärung der Max-Planck-Gesellschaft, in denen beschrieben wird, unter welchen Umständen das Gutachten zustande kam, was es behandelt und wer in höheren gesellschaftlichen Kreisen davon wann Kenntnis erhielt. Da eine Presseerklärung wohl zur öffentlichen Verbreitung gedacht ist, kann es schlechthin nicht verwerflich sein, daß sie vom Verlag verbreitet wird.

Schlesiger: Aber in der Werbung wird erwähnt, daß Ihr Gutachten fachlich nicht beanstandet wurde.

Rudolf: Das ist ja auch richtig. Das heißt ja nicht, daß möglicherweise an dem Gutachten nicht doch etwas zu beanstanden wäre. Die MPG wie alle anderen Forscher und Wissenschhaftler aber ziehen es bisher vor, jede inhaltliche Aussage zu dem Gutachten zu vermeiden und sich statt dessen hinter der „Offenkundigkeit“ zu verschanzen.

Schlesiger: Aber in Ihrem Interview mit Herrn Berg vom IHR haben Sie doch ausführlich geschildert, daß Ihr Doktorvater fachliche Einwände gegen Ihr Gutachten hatte.

Rudolf: Er hatte im Sommer 1992 Einwände gegen die damalige Form des Gutachtens, die nichts mit der zu tun hat, die heute verbreitet wird. Außerdem hat er diese Einwände, die ich meine, inzwischen entkräftet zu haben, nur hinter verschlossener Tür vorgebracht. Ich akzeptiere sie allerdings erst als wirkliche Einwände, wenn er sich traut, sie zu veröffentlichen. Ich möchte die öffentliche Diskussion über Argumente und Gegenargumente.

Schlesiger: Report wirft Ihnen vor, Sie hätten mit Ihrem Bezug auf renommierte Institute und Firmen versucht, ihrem Gutachten den Schein der Seriosität zu geben.

Rudolf: In dem Gutachten selber wird nirgendwo auf eine Firma bezug genommen, um damit Seriosität zu erheischen. Lediglich in der Danksagung im Anhang erscheinen einige Personen und Institutionen, denen ich mich zu Dank verpflichtet sah. Die Frage der Seriosität meines Gutachtens hängt sicher nicht davon ab, wem ich in meiner Danksagung gedankt habe und wem nicht, sonder einzig und allein davon, ob die Beweisführung des Gutachtens korrekt ist oder nicht. Die Danksagung gehört außerdem gar nicht zum eigentlichen Gutachten und schon gar nicht wird darin der Eindruck erweckt, daß wegen der Inanspruchnahme der Dienstleistungen verschiedener Firmen oder Institute dem Gutachten eine verstärkte Seriosität zukomme. In der Danksagung steht auf einer Seite schlicht, wem ich was zu verdanken habe. Schluß aus.

Schlesiger: Dann ist auch der Hinweis, gegen sie liege eine Strafanzeige wegen Betruges vor, unrichtig?

Rudolf: Mir ist nichts von einer Strafanzeige wegen Betruges gegen mich bekannt. Aber vielleicht weiß Report mehr darüber als ich. Ich vermute allerdings, daß sich hinter dieser Behauptung die künstliche Aufregung verbirgt, die die DEGUSSA bezüglich der Danksagung veranstaltet hat. Auch das Institut Fresenius hat sich im Frühjahr 1993 künstlich aufgeregt und wollte von mir wegen Rufschädigung einen enormen Schadensersatz einklagen. Wegen der absolut aussichtslosen juristischen Lage ist dieser Versuch aber schnell eingestellt worden.

Schlesiger: Dann steht da noch die Behauptung des Herrn Rocker im Raum, Sie seien identisch mit dem Autor des Buches Vorlesungen über Zeitgeschichte, Herrn Dr.rer.nat. Ernst Gauss.

Rudolf: Was mich an der Diskussion um den Herrn Gauss am meisten verwundert ist folgender Umstand: Die Verwendung von Pseudonymen in der Literatur ist ein allgemein üblicher Vorgang, und das Presserecht schützt diese Pseudonyme sogar ausdrücklich. Dies ist nur allzu leicht verständlich, da Pseudonyme ein wichtiger Garant der Meinungsfreiheit sind, denn erst dadurch wird es möglich, daß auch jene Autoren, die zu gesellschaftlich strittigen Themen publizieren, weiterhin ein ungestörtes Privatleben führen können. Daß Report die Verwendung eines Pseudonyms in diesem Fall plötzlich zur bösartigen Lüge hochzustilisieren trachtet, beweist lediglich, daß er es auf eine gesellschaftliche Ächtung des Autors im Hexenjagdstil anlegt, nicht aber auf eine sachliche Auseinandersetzung.

Schlesiger: Report führt später einige Satzbruchstücke eines Briefes an, den Sie an Prof. Haverbeck geschrieben haben sollen. Es wird Ihnen unterstellt, sie würden mit diesem »Bettelbrief« (Originalton Report) für Ihre Anti-Holocaust-Forschung werben. Report blendete dazu folgenden Text ein, der im Brief stehen soll, und in dem sie Prof. Haverbeck bitten: »In Ihrem Bekanntenkreis in äußerst diskreter Weise… die nötigen Mittel… Summen über 10.000«, zu beschaffen. Ferner stehe darin: »Äußerste Diskretion ist angebracht… Darf Deutschland auf Sie zählen!« Was ist an dem Brief dran?

Rudolf: Ein wichtiges Stilmittel des manipulativen Journalismus ist das Herausreißen von Wörtern, Satzfetzen und Sätzen aus ihrem Zusammenhang und die Einbringung dieser Bruchstücke in einen völlig neuen und wesensfremden Kontext. Report hat die von Ihnen angesprochenen Satzfetzen so dargestellt, als hätte ich für die eigene Sache über Prof. Haverbeck alle möglichen Leute um mehrere Summen von jeweils über DM 10.000 angepumpt, und dabei an dumpfe nationalistische Gefühle appelliert. In dem von Report angesprochenen Brief, der übrigens auch nur aus meinen bei der Polizei befindlichen Unterlagen stammen kann, ging es tatsächlich aber um etwas ganz anders: Ein mir bekannter Journalist versuchte seit einiger Zeit, eine Forschungsreise nach Moskau zu machen, um in den dortigen Archiven Untersuchungen durchzuführen, die allerdings in keinem Zusammenhang mit meinem Gutachten stehen. Für diesen evt. mehrwöchigen Aufenthalt benötigte er insgesamt eine Summe von einmalig etwa 10.000 DM. Ich habe seinerzeit bei einigen mir bekannten Herren sein Projekt vorgestellt, auf die Finanzierungsfrage hingewiesen und den Kontakt zu dem Journalisten hergestellt. Ich war also rein vermittlerisch tätig. Niemals habe ich für meine Forschungen bei jemandem gebettelt und schon gar nicht für Summen über DM 10.000. Ich halte es sogar für möglich, daß die von Report zitierten Passagen verfälscht wurden. Ich habe nämlich höchstens um eine Summe von 10.000 DM nachgefragt, niemals aber über mehrere Summen!

Schlesiger: Und was ist zu dem Satz bezüglich des Dankes des Vaterlandes zu sagen?

Rudolf: Bei dem oben erwähnten Forschungsprojekt geht es um eine ziehmlich wichtige historische Frage, deren Klärung positive Auswirkungen auf das Bild Deutschlands in der Geschichte haben kann. Daneben ist der Appell an die patriotische Gesinnung in 179 von 180 Staaten dieser Erde etwas durchaus Ehrenvolles. Daß es gerade im 180. Staat, nämlich in Deutschland, anrüchig sein soll, mag zwar ein Anliegen der linken Journalisten von Report und Konsorten sein, aber mich kann das nicht davon abhalten, zu solchen Appellen zu stehen, zumal ich ja nicht für meinen eigenen Geldbeutel geworben habe.

Schlesiger: Sind Ihnen noch mehrere Stellen aufgefallen, bei dem Report das manipulative Stilmittel der sinnentstellenden Fetzen-Zitate verwendete?

Rudolf: Ja, gleich reihenweise. Die oben erwähnte Stelle in der Danksagung war eine solche. Report blendete lediglich die Namen Degussa und Institut Fresenius ein und behauptete, daß mit deren Anführung Seriosität vorgetäuscht werden sollte. Daß diese Namen lediglich in der Danksagung in einer Aufzählung ohne besondere Wertung auftauchten, konnte der Zuschauer nicht erkennen, hätte aber die Manipulation offenkundig werden lassen.

Ein besonders krasses Beispiel ist gegen Ernst Gauss vorgebracht worden. Report behauptet, Gauss würde ausführen, die Selektionen in Auschwitz wären nicht das Vorspiel zum Tod gewesen, »sondern dienten nur dazu, Zitat: „kranke Juden besser medizinisch zu versorgen.“«. Eingeblendet werden von Report drei Worte aus den entsprechenden Passagen von Gauss auf Seite 217: »besondere medizinische Versorgung«. Ich möchte hier einmal eine etwas längere Passage aus dem Gauss zitieren und die von Report herausgerissenen Satzfetzen fett unterlegen, damit die Manipulation des Report offenkundig wird (G=Gauss, Z=Zuhörer):[19]

»G: Einen der zentralen Punkte der Zeugenaussagen über das Vernichtungslager Auschwitz

[…] stellen die sogenannten Selektionen an der Todesrampe dar. […] Diejenigen der Häftlinge, die den selektionierenden Ärzten als nicht arbeitsfähig erschienen, also Kranke, Gebrechliche, Alte und Kinder, sollen nach den Zeugenaussagen sofort in die Gaskammern geschickt worden sein. Dabei sei keine Aufnahme dieser Häftlinge in die Lagerkartei erfolgt. Diese vermeintlichen Gaskammeropfer seien also in keiner Weise registriert worden. […]

Zu Beginn des Jahres 1990 ging die Meldung durch die deutsche Presse, daß die Sowjets dem Suchzentrum des Internationalen Roten Kreuzes Arolsen die Sterbebücher des Konzentrationslagers Auschwitz übergeben würden. Darin sei das Schicksal von 74 000 Opfern genauestens aufgeführt. […]

Dank gewisser Beziehungen ist es […] gelungen, in die Bücher […] Einblick zu erhalten. […] Diese Totenlisten umfassen nur solche Opfer, die ordnungsgemäß in die Lagerkartei aufgenommen wurden. Vergasungsopfer tauchen hier also nicht auf.

[…] Wenn man davon ausgeht, daß diese Bücher ordnungsgemäß geführt wurden, […], müßte das Bild nach den Zeugenaussagen wie folgt aussehen:

Todesfälle von Menschen über 60, gar 70 Jahren sowie solche unter 10 Jahren dürften so gut wie gar nicht auftauchen, da diese „arbeitsunfähigen“ Menschen angeblich sofort vergast worden sein sollen. Dies trifft ganz besonders für Menschen mosaischen Bekenntnisses (Juden) zu.

Zuerst konnten leider nur stichprobenartig einige Fälle aus den Totenbüchern ausgewertet werden. […] Natürlich ist die darauf beruhende, hier vorgelegte Statistik keinesfalls als repräsentativ anzusehen. Allerdings ergeben sich aus ihr zumindest Hinweise, die weitere Forschungsanstrengungen rechtfertigen.

[…] Auffallend und nicht in Übereinstimmung mit den Zeugenaussagen ist die Tatsache, daß offensichtlich die Zahl der Todesfälle sehr alter Menschen unter den regulären, registrierten Häftlinngen besonders groß ist. […]

Noch deutlicher wird dieses Ergebnis, wenn man die Todesfälle nach den Todesursachen aufgliedert, Tabelle 4.3. Altersschwäche ist in über einem Drittel aller Fälle der Grund für den Tod, gefolgt von der Typhus-Seuche […]. Die dann folgende Todesursache Herz- und Kreislaufschwäche erfaßt ebenfalls wiederum einen Großteil alter Menschen, jedoch ist der Anteil jüngerer Menschen auffällig hoch, was nicht für günstige Lebensbedingungen spricht. Auch die sich anschließenden Ursachen wie Magen-Darm-Katarrh und Angina Pectoris mußten bei korrekter medizinischer Behandlung nicht unbedingt zum Tode führen. Dies spricht für eine unzureichende medizinsche Versorgung.

Als weiteres erstaunliches Ergebnis kann man festhalten, daß von den an Altersschwäche gestorbenen Menschen über die Hälfte jüdischen Bekenntnisses war.

Schließlich kann festgehalten werden, daß die Aussagen über die Selektionen an der Rampe nicht korrekt sein können. Die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit, die durchaus bei einer Selektion stattgefunden haben kann, bedeutet offensichtlich nicht den sofortigen Tod in einer Gaskammer. […]

[…] Vielmehr bin ich der Überzeugung, daß die Häftlinge bei Einlieferung in das Lager sehr wohl einer Selektion unterworfen wurden. Auch die kranken oder schwachen Häftlinge des Lagers konnten durchaus einer Selektion, das heißt Auswahl, unterworfen werden. Nach den hier dargestellten Erkenntnissen war aber der Zweck dieser Auswahl nicht unbedingt „Gaskammer“ oder „Zwangsarbeit“, sondern wohl eher die Frage, in welchen Block welcher Häftling eingeliefert werden sollte und ob dann welchem Außenlager die Häftlinge zugewiesen werden sollten. Auschwitz hatte in seinem Umland weit über 30 Außenlager, in denen die Häftlinge jeweils unterschiedlichen Beschäftigungen nachgingen. Auch die Verlegung kranker oder schwacher Häftlinge aus diesen Außernlagern nach Birkenau muß nicht deren Tod bedeutet haben, sondern kann schlicht die Einweisung in den großen Krankenlagerbereich von Birkenau bedeutet haben, also eine besondere medizinische Versorgung.

Z: Sie meinen also, daß für das Wohl der Häftlinge in Auschwitz alles Mögliche getan wurde?
G: Wieso zwingt Sie Ihr Geist eigentlich, immer nur in Extremen zu denken? Können Sie sich zwischen grausamer Vernichtung und einem Ferienerholungsheim nicht auch Schattierungen vorstellen? Wer behauptet denn, das Lager Auschwitz sei ein Häftlingserholungheim gewesen? Das ist doch barer Unsinn, den Sie hier von sich geben! Ich habe zuvor schon von den in Birkenau wütenden Seuchen gesprochen und habe erwähnt, daß einige Todesursachen in den Totenbüchern von Auschwitz von einer medizinischen Unterversorgung zeugen. Ferner kann die genannte Zahl von knapp 100 000 Toten des Lagers Auschwitz kaum ein Indiz für das Wohl der Häftlinge sein. Immerhin handelt es sich bei diesen Toten um knapp 10% der dorthin eingelieferten oder durchgeschleusten Häftlinge, wenn man den Transportlisten Glauben schenken darf. Was soll also Ihre offensichtlich kontraproduktive Polemik?«

Rudolf: Man erkennt leicht, daß Report die äußerst differenzierte und alles andere als abschließende Darstellung von Gauss völlig entstellt. Die von Report zitierten Satzfetzen gibt es überhaupt nicht, und die drei zusammenhanglos eingeblendeten Worte schließlich haben überhaupt nichts mit den Selektionen an der Rampe zu tun, sondern handeln über unzweifelhaft erfolgte Verlegungen von Außenlagern in den großen Sanitätsbereich von Birkenau. Auch von der von Report suggerierten Unterstellung, Gauss würde von einer besonderen medizinischen Versorgung der Auschwitz-Häftlinge schwärmen, bleibt nichts übrig. Ich nenne diese Art der Report-Berichterstattung volksverhetzend.

Schlesiger: Kommen wir zu den suggestiven Mitteln der Assoziationen durch Bilder. Report zeigt einen Videofilm von Jugendlichen, die in einer Wohnstube eine Rede Hitlers vor dem Reichstag ansehen.

Rudolf: Ich habe diese Szene schon öfter in ähnlichen Hetzsendungen gesehen. Sie gehört zum Standardrepertoire solcher „Dokumentationen“. Damit soll dem Zuschauer wohl suggeriert werden, daß es sich bei den Revisionisten um heimliche Verehrer Hitlers handelt. Gesagt wird es zwar nicht, aber es wird von vielen so verstanden. Es hat freilich nicht das Geringste mit der Wahrheit zu tun.

Schlesiger: Anschließend wird die ausgebrannte Synagoge von Lübeck gezeigt mit dem Hinweis durch Report, daß Auschwitz-Leugner wieder Konjunktur haben, und daß wieder eine Synagoge brennt. Daraufhin wird zu Ihrem Arbeitsgerichtsprozeß gegen die MPG übergeblendet mit dem Hinweis, daß dieser drei Tage vor dem Brandanschlag stattfand. Der Brandanschlages auf diese Synagoge dient Report also dazu, Ihnen und Ihresgleichen eine Art Schreibtischtäterschaft für diese Tat anzudichten. Report spricht sogar explizit von Bieder und Hintermännern, in Anspielung an Biedermann und die Brandstifter.[20] Was erwidern Sie auf solche Vorwürfe?

Rudolf: Die Welt meldete am 9.4.1994, daß nach geheimen Akten der Staatsanwaltschaft die Spuren des Lübecker Brandanschlages nach Nahost führen. Wenn hinter dem Brandanschlag also radikale arabische Kräfte stünden, so gäbe es nur einen Grund, dies geheim zu halten, nämlich die politische Absicht, den Brandanschlag von Lübeck weiterhin den politisch rechten Kräften in die Schuhe schieben zu können, um damit alle möglichen Repressalien gegen rechte Kräfte und auch gegen den historischen Revisionismus zu rechtfertigen.

Wenn allerdings hinter dem Anschlag auf die Synagoge radikale jüdische Kräfte stecken, die ja auch aus dem Nahen Osten kommen, so wäre es wohl erste Pflicht jedes Staatsanwaltes, entsprechende Erkenntnisse geheim zu halten. Niemandem nützt dieser Anschlag von Lübeck mehr als den linken und (philo)semitischen Kräften, denn sie können nun hemmungslos gegen alle ihre ideologischen Feinde vorgehen. Andererseits gibt es keine Gruppen, denen solche Anschläge mehr schaden, als den Rechten und den Revisionisten, die daher beide solche Anschläge wie nichts sonst auf der Welt fürchten. Ich meine, daß man auch solche Überlegungen in Erwägung ziehen sollte. Meines Erachtens benützen Politik und Medien den Brandanschlag von Lübeck ohne Rücksicht auf die Frage, wer eigentlich die Täter sind, um gegen alles Rechte und Revisionistische eine wahre Hexenjagd durchzuführen. Man vorverurteilt ganze Bevölkerungsgruppen und begründet mit diesen Vorurteilen ihre Entrechtung. Unter Linken nennt man ein solches Vorgehen faschistisch.

Schlesiger: Ist Ihr Rechtsanwalt rechtsextrem, wie es Report behauptet?

Rudolf: Sie müßten einmal an meiner Stellle versuchen, einen Anwalt zu bekommen, der mich in meinen Prozessen ohne wenn und aber verteidigt. Dann würden Sie schnell merken, daß es kaum Anwälte gibt, die das tun wollen, da sie um ihren Ruf fürchten, denn sie würden schnell selber mit den tatsächlichen oder vermeintlichen Taten ihrer Mandanten identifiziert werden. Tatsächlich ist es doch in einem Rechtsstaat so, daß jedem in einem Prozeß eine Verteidigung zusteht. Wenn ich mir also einen Rechtsanwalt nehme, der in solchen Prozessen Erfahrung hat und der den Anfeindungen der Gesellschaft zum Trotz mich und ähnliche Fälle verteidigt, dann darf ihm dies niemand zum Vorwurf machen. Tut man es trotzdem, so stellt man sich außerhalb unserer rechtsstaatlichen Ordnung. Das einzige, was man meinem Rechtsanwalt übelnehmen kann, ist, daß er neben vielen anderen Fällen auch solche von Rechten und von Revisionisten übernimmt, also dem Meinungsterror der Gesellschaft nicht weicht. Solchen Anwälten ist es zu verdanken, daß auch in Prozessen, in denen starke politische Motive seitens der Öffentlichkeit und der Staatsanwaltschaft mitwirken, rechtsstaatliche Verhältnisse herrschen. Ähnlich hoch im Ansehen liegen bei mir übrigens auch die Verteidiger der RAF-Terroristen und der Angeklagten von Mölln und Solingen. In all diesen Prozessen werden die Verteidiger massiven Verdächtigungen ausgesetzt, die an Schauprozesse erinnern. Wenn diese Verteidiger in solchen Fällen nicht klein beigeben, so sind sie in meinen Augen zivilcouragierte Helden.

Schlesiger: Ist ihr Verteidiger ein Rechtsextremist?

Rudolf: Nein, mir ist dies bisher nicht aufgefallen. Ich habe mit ihm aber bisher noch nie über Weltanschauungen gesprochen. Sie sollten Ihn diesbezüglich vielleicht besser selber fragen. Meines Erachtens versucht Report mit dieser Beleidigung und Verdächtigung meines Anwaltes nur zu erreichen, daß die Verteidigungssituation meiner Person und die aller anderen Revisionisten vor Gericht noch schlechter wird, als sie ohnehin schon ist. Wenn jeder Anwalt damit rechnen muß, bei Verteidigung von Revisionisten in der Öffentlichkeit als Rechtsextremist beschimpft zu werden, so werden sich in Zukunft kaum mehr Verteidiger dazu hergeben wollen.

Schlesiger: Kommen wir zu einer anderen Passage der Report-Dokumentation. Eingeleitet wird sie mit einer Luftaufnahme des Lagers Birkenau. Anschließend sieht man eine große Menschenmenge auf einem Platz, sodann eine Schlange nackter Männer vor einem Gebäude stehen, schließlich ein Schild mit der Aufschrift „Bad und Desinfektion II“ und am Ende einen Platz mit verstreut liegenden, abgemagerten Leichen. Begleitet wird das ganze mit dem Kommentar, daß der Revisionismus sich zum Ziel gesetzt habe, das Dritte Reich vom Makel der Judenvernichtung freizusprechen. Der Revisionismus leugne danach die Ermordung von 6 Mio. Juden in den Vernichtungslagern, vorwiegend durch Vergasungen.

Rudolf: Suggeriert wir dem Zuschauer hier, daß die auf dem Platz versammelten oder in der Schlange stehenden Menschen darauf warten, in der mit der Beschriftung „Bad und Desinfektion“ getarnten Gaskammer umgebracht zu werden. Als Ergebnis werden die Leichen gezeigt, die dem Zuschauer als Opfer des Massenmordes erscheinen müssen. Tatsächlich gibt es keine Aufnahmen von Menschen, die auf ihre Vergasung warten, und auch das Bild mit den Leichen hat nichts mit Massenmordopfern zu tun. Tatsächlich zeigen die Bilder folgendes: Während der Kriegszeit wurden nicht nur in den Arbeits- und Konzentrationslagern, sondern auch in vielen zivilen und militärischen Lagern zur Seuchenbekämpfung große Entlausungs- und Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. Die gezeigten Bilder zeigen solche Aktionen. Sie haben nichts mit einem Massenmord zu tun, was von Report ja auch nicht behauptet wird, denn der gesprochene Kommentar hat keinerlei Bezug zu den gezeigten Bildern. Allein die geichzeitige Darstellung erweckt beim Zuschauer die Meinung, daß dies so gemeint sei. Herr Rocker hat damit erreicht, daß viele Zuschauer in diesen Bildern das genaue Gegenteil dessen zu sehen glauben, was sie darstellen: Beweise für die Realität des Holocaust, obwohl die mit diesen Bildern belegten Bemühungen der KZ-Kommandanturen um die Gesundheit der Lagerinsassen eigentlich nahelegen, daß eine Vernichtung dieser Menschen nicht vorgesehen war. Oder duscht und desinfiziert man in aufwendigen Prozeduren jene Menschen, die später vernichtet werden sollen? Somit werden aus Entlastungsbeweisen durch dieses teuflische Manipulationsverfahren der Suggestion plötzlich vermeintliche Belastungsbeweise.

Das Bild mit Leichen zeigt ebenfalls keine Massenmordopfer, was wiederum von Report auch nicht behauptet wird. Es zeigt vielmehr ausgehungerte Typhus-Opfer aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, die damals nirgendwo in Zentraleuropa eine Seltenheit waren. Diese Bilder wurden zumeist von den Alliierten in den befreiten KZs West- und Mitteldeutschlands aufgenommen. Mit Opfern von vorsätzlichen Massenmorden haben diese Leichen aber nichts zu tun.

Schlesiger: Haben Sie sich zum Ziel gesetzt, das Dritte Reich vom Makel der Judenvernichtung zu befreien?

Rudolf: Ich muß Ihnen gestehen, daß mir das Ansehen irgendeiner ehemaligen Diktatur ziemlich gleichgültig ist. Eine ähnliche Unterstellung hat ja in der gleichen Sendung Prof. Wolfgang Gessenharter von der Bundeswehr-Uni im Hamburg gemacht. Er unterstellt dem Revisionismus, er wolle einen autoritären Staat errichten und müsse daher den ehemaligen autoritären Staat, also das Dritte Reich, reinwaschen. Das alles sind völlig unfundierte politische Verdächtigungen, auch wenn sie von Prof. Gessenharter mit seriös klingender Stimme vorgebracht werden. Ich für meinen Teil stehe ideologisch weder in der Nähe des NS-Systems noch irgendeiner anderen autoritären Regierungsform. Ich darf zudem gestehen, daß die Erfahrungen, die ich mit dem autoritären Verhalten unseres Staates mir gegenüber gemacht habe, meinen Bedarf nach autoritären Systemen vollauf gedeckt haben.

Ich interessiere mich lediglich für die wissenschaftlich zu ergründende Wahrheit und für eine Sachauseinandersetzung, nicht aber für die Politik. Wenn gewisse Leute immer wieder dieser Sachargumentation vermutlich auch aus Mangel an Gegenargumenten ausweichen und in politischen Verdächtigungen ihr Heil suchen, so doch wohl nur, weil sie mit dieser Taktik selber politische Ziele verfolgen. Mit einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit meinen Thesen hat das jedenfalls nichts zu tun. Damit jedoch fällt in diesem Fall der Vorwurf der politischen Instrumentalisierung des Themas auf Report und Prof. Gessenharter selber zurück.

Schlesiger: Report warf Ihnen zudem vor, daß Sie mit Ihresgleichen eine Veranstaltung der FDP-nahen Thomas-Dehler-Stiftung zu einer rechtsradialen Veranstaltung umfunktionierten. Es soll dort die Rede gewesen sein von Auschwitz als Sanatorium.

Rudolf: Sobald einer eine andere Meinung über den Holocaust hat, wird er per se zum Rechtsextremist gestempelt. Eine weiter Beweisführung erspart man sich. Das enthebt dann den selbsternannten Nichtextremisten von der Notwendigkeit, mit dieser Meinung überhaupt noch zivilisiert umzugehen, ja es ermöglicht die Unterdrückung dieser ungehörten Meinung. Ich reagiere daher grundsätzlich nicht mehr auf die Beleidigung, ich sei ein Rechtsradikaler oder gar Rechtsextremist.

Das Seminar der Thomas-Dehler-Stiftung hatte die Diskussion über den Revisionismus zum Thema, wozu eigens der ehrenwerte Schweizer Revisionist Arthur Vogt eingeladen wurde, um die revisionistische Position darzustellen. Wenn der damalige Seminarleiter Batz jetzt im Fernsehn erklärte, daß er nicht wußte, daß dieser Schweizer seine eigene revisionistische Meinung äußern würde, so ist das eine Notlüge. Denn würde er zugeben, daß er den Schweizer einlud, damit er die revisionistische Position vertritt, so wäre er der Beihilfe zur Beleidigung der Juden und zur Volksverhetzung schuldig. Der Schweizer wurde verurteilt, da hierzulande jeder verurteilt wird, der eine andere Meinung in Sachen Holocaust hat. Batz muß lügen, weil er sonst verurteilt würde, da er geholfen hat, andere, verbotene Meinungen öffentlich zu verbreiten. Der Skandal liegt nicht in der damaligen Veranstaltung, sondern in der hierzulande herrschenden Gesinnungsdiktatur.

Außerdem hat während dieser Veranstaltung niemand von „Auschwitz als Sanatorium“ gesprochen. Das ist eine glatte Lüge von Report.

Schlesiger: Welche Wirkung hatte der obige Report-Bericht auf Ihr Privatleben?

Rudolf: Zuerst einmal war ich überrascht, wie sehr selbst vermeintlich intelligente Menschen durch solche Sendungen manipulierbar sind. Einige Bekannte waren partout der Überzeugung, ich hätte Publikationen veröffentlicht, die verwerflicherweise mit Fraktur-Lettern gedruckt waren. Hiervon war aber in der ganzen Sendung nirgends die Rede. Und außerdem: Was ist an Fraktur-Schrift verwerflich? Andere warfen mir vor, ich hätte an rechtsextremistischen Veranstaltungen teilgenommen. Sie verstanden darunter das Seminar der Thomas-Dehler-Stiftung, eine wahrlich nicht rechtsextreme Veranstaltung der FDP. Schließlich geht seit neuestem das Gerücht um, ich sei der Chef einer mir völlig unbekannten Vereinigung mit dem Namen „Die Leoparden“, die angeblich antisemitische Ziele verfolge. Einerseits bin ich schockiert, wie schnell der angeblich aufgeklärte Mensch Gespenster sieht und wie schnell sich im Tratsch unhaltbare Gerüchte bilden. Anderseits kann ich mich der dahinter stehenden Komik auch nicht entziehen und habe schon so manchesmal herzhaft über die allgemein herrschende Massenhysterie gelacht.

Schlesiger: Wie wird Ihrer Meinung nach die Öffentlichkeit darauf reagieren?

Rudolf: Die über mich ausgegossene Mischung aus braunem Eintopfgebräu, sinnentstellender Fetzenzitiererei und manipulativer Massensuggestion hat ihren Erfolg freilich bei den unkritischen Zuschauern, worunter wahrscheinlich 80% zu rechnen sind, nicht verfehlt. Die übrigen 20% aber haben vielleicht angefangen zu denken. Das jedenfalls wäre ein Erfolg.

Schlesiger: Und wie war der Effekt bezüglich der revisionistischen Sache?

Rudolf: Es hätte kaum eine bessere Werbung geben können. Die Nachfrage nach allem, was mit meinem Gutachten und mit dem Revisionismus allgemein zu tun hat, war nie größer.

Schlesiger: Der Schuß des Report ging also nach hinten los.

Rudolf: So sieht es momentan aus.

Schlesiger: Meinen Sie daher, daß die Medien sich in Zukunft wieder eine Selbstzensur auferlegen?

Rudolf: Im Moment sieht es eher so aus, als sei ein Tabu gebrochen, als sei ein neuer Markt der Sensationen entdeckt worden, mit dem die Medien Geld machen können. Jedenfalls gibt es zunehmend Anfragen zu Interviews.

Schlesiger: Ein erster Ansatz zu einer seriösen Berichterstattung ist wohl in dem Bericht des internationalen naturwissenschaftlichen Monatsmagazins Nature vom April zu sehen. Immerhin gesteht dieser Bericht Ihnen zu, Sie seien ein guter Wissenschaftler gewesen und unterstellt Ihnen keine politischen Ambitionen. Sind Sie damit zufrieden?

Rudolf: Im großen und ganzen bin ich mit dem Artikel zufrieden, auch wenn es diesmal Herrn Kammerer erwischt mit rechtsextremen Verdächtigungen, aber man wird ja bescheiden. Leider aber hat auch Frau Abbot jede Diskussion über meine Thesen abgelehnt.

Schlesiger: Wie steht es mit den Einwänden der MPG, daß man nicht wisse, ob die untersuchten Gebäude überhaupt original seien und daß die Rückstände in den Entlausungskammern vielleicht damit zu erklären seien, daß dort gegenüber den vermuteten Menschenvergasungen höhere Blausäurekonzentrationen verwendet wurden.

Rudolf: Diese Einwände werden seit 6 Jahren gebetsmühlenartig gegen den Leuchter-Bericht vorgebracht und gerade diese Punkte waren für mich überhaupt erst der Auslöser, warum ich mich zur Erstellung eines Gutachtens bereit erklärt habe. Genau diese Fragen habe ich vornehmlich behandelt und meine, sie abschließend beantwortet zu haben. Wenn die MPG sie nun neuerlich vorbringt, so beweist sie lediglich, daß sie mein Gutachten entweder nicht gelesen oder nicht begriffen hat. Die ZEIT hat sich übrigens nicht entblödet, den Unsinn der MPG zu potentieren und unter dem Titel »Krümel aus Auschwitz« zu schreiben, mir hätten die Analysenergebnisse des Labors als Beweis genügt, daß die Nazis kein Gift eingesetzt hätten. Dieser Artikel über den Nature-Artikel beweist nur, daß Journalisten unreflektiert voneinander auch den größten Unsinn abschreiben, wobei der Schwachsinn jedesmal größer wird.[21]

Schlesiger: Zum Abschluß: Was erwarten Sie in näherer und fernerer Zukunft?

Rudolf: Das möchte ich zweiteilen. Zunächst die optimistische Perpektive. Seit 2 Jahren versuche ich, durch entsprechende Appelle an führende Leute des Establishments heranzukommen, damit man über die festgefahrene Situation spricht. Meines Erachtens wäre es angebracht, daß das Thema Holocaust-Revisionismus durch etablierte Kräfte auf sachliche Weise aufgegriffen wird, damit man die aus einer weitergehenden Geschichtsrevision entstehenden gesellschaftlichen Spannungen im Vorfeld mindern und abbauen kann. Ich hoffe, daß es im Establishment einige vernünftige Leute gibt, die dieses Angebot endlich aufgreifen. Für die fernere Zukunft erhoffe ich mir ein normales bürgerliches Leben mit der Gewißheit, daß die Revision der Geschichtsschreibung in dieser wissenschaftlichen Disziplin endlich als Normalität anerkannt worden ist.

Realistisch ist zumindest die erste Perpektive nicht. Tatsächlich wird sich die Konfronation in Zukunft wohl noch verstärken. Doch die Wahrheit hat immer den längeren Atem. Sie geht zwar manchmal unter, doch sie ertrinkt nicht.


Anmerkungen

[1] H. Auerbach, Institut für Zeitgeschichte, Schreiben an G. Herzogenrath-Amelung, Az. Au/Be., 21.12.1993.
[10] Vgl. § 4 des Gesetzes zur Führung akademischer Grade.
[11] Verwaltungsgerichtshof Mannheim, Az. IX 1496/79, JZ Jg. 19 (1981), S. 661-664.
[12] Das Interview wurde vor Zustellung der eingangs erwähnten Anklageschrift geführt.
[17] Fax-Nachricht der MPG vom 12.4.1994.
[18] So z.B. die Südwest Presse, Fax vom 22.4.94.
[19] E. Gauss, Vorlesungen über Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1993, S. 214ff.
[20] Ein Theaterstück aus 1956 von Max Frisch, in dem ein gestandener Bürger einem Fremden Unterschlupf gewährt, der dann dessen Familie zeestört und sein Haus niederbrennt, eine allegorische Beschreibing der totalitären Übernahme einer Gesellschaft.
[21] Die Zeit,  15.4.1994, S. 44

Brief des Zentralrats der Juden in Deutschland an die Max-Planck-Gesellschaft

Als mein Gutachten über Auschwitz Anfang 1993 für öffentliches Aufsehen sorgte, forderte die jüdische Lobby in Deutschland von meinem damaligen Arbeitgeber, der Max-Planck-Gesellschaft, „geeignete Maßnahmen“ zu ergreifen, um „die weitere Tätigkeit des Gutachters zu verhindern“. Hier ist der Brief. Er wurde in meinem Arbeitsprozess von der MPG vorgelegt als Beweis, dass ich als Angestellter untragbar sei.

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Antwort der Max-Planck-Gesellschaft an den Zentralrat der Juden in Deutschland

Dies ist die Antwort der Max-Planck-Gesellschaft zur Forderung des Zentralrats der Juden, jede weitere Betätigung meinerseits zu verhindern.

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Offener Brief an die Max-Planck-Gesellschaft

1993 und dann wieder 1994 erließ mein damaliger (später ehemaliger) Arbeitgeber, die Max-Planck-Gesellschaft, eine Presseerklärung zu meinen privaten Forschungsaktivitäten zum Holocaust. Der Text dieser Erklärungen ist entlarvend und veranlasste mich dazu, einen recht sarkastischen Offenen Brief an diese ehrenwerteste aller deutschen Forschungsinstitute zu schreiben.

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Wissenschaftszeitschrift Nature schreibt über das Rudolf-Gutachten

Im den Jahren 1993/1994 erregte mein Gutachten für Aufsehen, obgleich mehr als Skandal denn als irgendwas anderes. Hier berichtet eines der weltweit führenden Wissenschaftszeitschriften darüber.

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