Hinter dem Vorhang (1993)

Diese Interview wurde 1993 vom US-Revisionisten Friedrich Paul Berg durchgeführt, nachdem Rudolfs Gutachten in Deutschland für Aufsehen gesorgt hatte.

Berg: Sehr geehrter Herr Rudolf, seit einiger Zeit sorgt Ihr "Gutachten über die Bildung und Nachweisbarkeit von Cyanidverbindungen in den ‚Gaskammern‘ von Auschwitz" nun schon für Wirbel hinter den Kulissen. Wie kam es überhaupt dazu, daß Sie als Angehöriger der jungen Generation dieses Gutachten erstellt haben?

Rudolf: Zu Beginn meines Chemie-Studiums, etwa 1984, erhielt ich ein aus einer öffiziösen Studie hervorgegangenes Buch von Armin Mohler über die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland geschenkt. Dieses Buch hatte mich so fasziniert, daß ich mir 1989, kurz vor dem Abschluß meiner Diplomarbeit, eine erweiterte Neuauflage davon zulegte. In diesem Buch liest man, daß ein amerikanischer Experte über die Gaskammern von Auschwitz ein Gutachten angefertigt habe, in dem er zu dem Schluß käme, daß diese Kammern nie zum Massenmord benutzt worden seien. Dabei würde er sich u.a. darauf stützen, daß es in den Gaskammern kaum nachweisbare Zyan-Reste gebe, hingegen in den Kleiderentlausungskammern große Mengen. Ich fühlte mich nach der Lektüre dieses Buches wie vor den Kopf gestoßen. Ich wußte sofort: Entweder war dieser Amerikaner ein Scharlatan, oder aber mein ganzes Weltbild war komplett falsch. Es gab nur eine Möglichkeit, dies herauszufinden: Ich mußte diesen Expertenbericht bekommen und beurteilen können. Das war der Anstoß zu meiner Tätigkeit.

Berg: Hat Sie der Leuchter-Report überzeugt?

Rudolf: Nein, ganz und gar nicht. Er hat mehr offene Fragen hinterlassen, als er zu beantworten in der Lage war. Prof. Nolte hat z.B. im Frühjahr 1990 in der Zeitung Jungen Freiheit darauf hingewiesen, daß es möglich sein kann, daß die Zyan-Reste in den letzten 50 Jahren durch die Witterung zerstört wurden. Tatsächlich geht aus dem Leuchter-Bericht nicht exakt hervor, in welchem Zustand sich die vermeintlichen Gaskammern befinden, wie stabil diese Zyan-Reste – exakt: Cyanid-Verbindungen – sind und ob sie sich bei den bezeugten Menschenvergasungen überhaupt hätten bilden können. Ich habe diese Frage seinerzeit in einem Leserbrief in der Jungen Freiheit gestellt und mir zur Aufgabe gemacht, diese Zweifel, die über Leben und Tod einer ganzen Weltanschauung entscheiden können, zu beantworten.

Berg: An ihrer Entschlußfassung war also nicht die Initiative eines Rechtsanwaltes, der ein gerichtliches Gutachten haben wollte, beteiligt?

Rudolf: Nein. Die ersten Reaktion von außen erhielt ich auf den oben erwähnten Leserbrief. Ich erhielt im Frühjahr 1991 von einer mir damals unbekannten Person Adressen von Menschen und Institutionen, die sich für meine Überlegungen und eventuell anstehenden Forschungsergebnisse interessieren würden. Tatsächlich hatte ich damals kurz nach Beginn meiner Doktorarbeit in meiner Freizeit mit der Sammlung von Unterlagen aus Fachzeitschriften längst angefangen, mit der ich hoffte, die oben erwähnten Fragen zu beantworten.

Berg: Wann trat nun ein Rechtsanwalt an Sie heran?

Rudolf: Das war im Sommer 1991. Zu dieser Zeit hatte ich bereits die theoretischen chemischen Grundlagen zur Beantwortung der anstehenden Fragen erarbeitet und diese Informationen allen möglichen Personen und Institutionen zukommen lassen…

Berg: Auch dem Institut für Zeitgeschichte?

Rudolf: Dem auch, ja. Reagiert hat es allerdings nie. Rechtsanwalt Hajo Herrmann, der seinerzeit u.a. den Generalmajor Remer wegen Leugnung des Holocaust verteidigte, nahm im Juli 1991 zu mir Kontakt auf, um mich für eine gutachterliche Tätigkeit zu gewinnen. Es wurde beschlossen, eine Forschungsreise nach Auschwitz zu machen, Proben zu nehmen, diese auszuwerten und schließlich darüber ein Gutachten anzufertigen, was dann ja auch geschah.

Berg: Nun haben Sie ja wegen dieses Gutachtens erheblichen beruflichen Ärger bekommen. Wann hat Ihr Arbeitgeber, das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart, zum ersten Mal von Ihrer Freizeittätigkeit erfahren?

Rudolf: Das muß etwa einen Monat nach der Reise nach Polen gewesen sein. Wenn die Polizei mir meine Unterlagen nicht beschlagnahmt hätte, könnte ich das Datum exakt nennen. Es war etwa im September 91. Ich hatte seinerzeit den Chefredakteur der angesehensten deutschen Chemie-Fachzeitschrift, die Angewandte, angeschrieben und nachgefragt, ob meine Forschungsergebnisse, die ich kurz andeutete, in seiner Zeitung veröffentlicht werden könnten. Dieser wiederum frug während meiner zufälligen Abwesenheit zurück und geriet an Prof. Simon, einen Kollegen meines Doktorvaters Prof. von Schnering. Freilich herrschte schon allein wegen des angesprochenen Themas helle Aufregung bei Prof. Simon. Als er aber von meinem Doktorvater, der damals geschäftsführender Direktor am Institut war, erfuhr, daß diese meine Forschungen nichts mit meiner Doktorarbeit zu tun hatten, beruhigte sich die Lage schnell wieder.

Prof.Dr.Dr.h.c. Hans Georg von Schnering, 1990

Berg: Man hatte also damals nichts gegen Ihre Freizeitbeschäftigung?

Rudolf: Ich war damals mit meiner Forschung noch nicht soweit, daß ich aus den bis dahin erhaltenen Ergebnissen konkrete Schlußfolgerungen hätte ziehen wollen. So vermied ich diese und damit jede direkte Konfrontation. Ich glaube eher, daß mein Doktorvater damals die Dimension noch nicht erkannt hatte, da ich in meinen schriftlichen und mündlichen Ausführungen bis dahin noch sehr vorsichtig war.

Berg: Und was geschah, als Sie sich Ihrer Ergebnisse sicher waren?

Rudolf: Ich wurde von einem Bekannten darauf aufmerksam gemacht, daß ich vor meinem Doktorvater alle Karten offenlegen müsse, denn je länger ich damit warte, umso ungünstiger wäre meine Situation, wenn diese Tätigkeit einst an die Öffentlichkeit gelangt. Ich habe daher die günstige Gelegenheit beim Schopf gepackt, die sich aufgrund eines Gespräches einer Kommilitonin mit meinem Doktorvater über den Holocaust ergab. Ich setzte mich im April 1992 an meinen Schreibtisch und schrieb Herrn Prof. von Schnering meine Sichtweise über die Dinge in einem privaten Brief nieder.

Berg: Wie hat dieser darauf reagiert?

Rudolf: Äußerst zornig. Am Morgen nach Erhalt des Briefes stürmte er in mein Arbeitszimmer, warf mir das Buch NS-Massentötungen durch Giftgas von E. Kogon und anderen auf den Schreibtisch, forderte mich auf, dieses zu lesen, wonach ich mit meinem unsinnigen Gerede aufhören würde, und drohte mir, daß dieser Brief Konsequenzen haben würde.

Berg: Und, hatte er Konsequenzen?

Rudolf: Zunächst habe ich ihm, als er schon wieder in der Tür stand um zu gehen, das Buch zurückgegeben mit dem Hinweis, daß ich es kenne, besitze und bereits gelesen habe. Ich schrieb ihm daraufhin einen weiteren Brief, in dem ich ihm meine Meinung über das von ihm angebotene Buch niederschrieb. Hier nur die zwei wichtigsten Punkte: Die Autoren dieses Buches beschimpfen erstens pauschal alle Menschen anderer Meinung mit üblen Worten, ohne Namen zu nennen. Man kann die Vorwürfe also nicht überprüfen. Sie unterstellen zweitens allen Menschen anderer Auffasung üble Gesinnungen und unwissenschaftliche Arbeitsweisen, nennen aber auch hier keine Quellen, an Hand derer man diese pauschalen Vorwürfe prüfen könnte. Wer mir als Forscher ein solches Buch in die Hand gibt und erwartet, mich damit überzeugen zu können, ein Buch also, das eine andere Meinung beschimpft, ausgrenzt und dem Leser eine Überprüfung dieser Vorwürfe bewußt unmöglich macht, muß schon ein armer Tropf sein. Ich habe das in dem oben genannten Brief natürlich nicht so offen gesagt, sondern versucht, hart in der Sache zu argumentieren. Daraufhin habe ich längere Zeit nichts mehr von meinem Doktorvater in dieser Sache gehört.

Berg: Aber das Thema kam wieder zur Sprache.

Rudolf: Ich hätte es dabei bewenden lassen können. Allerdings meinte ein guter Bekannter, selber promovierter Chemiker und der gleichen Altersstufe wie Prof. v. Schnering angehörend, daß er versuchen wolle, die vergiftete Atmosphäre zwischen uns durch ein persönliches Gespräch zu entkrampfen. Das Gespräch kam denn auch – ich glaube im Juni 1992 – zustande. Währenddessen übergab besagter Bekannter meinem Doktorvater mein Gutachten mit der Bitte um Prüfung und schickte im wenig später noch ein Buch zu, das er ihm zur Lektüre angeraten hatte, um auch nach dem wissenschaftlichen Leitwort audiatur et altera pars (auch der andere Teil möge gehört werden) die Argumente der anderen Seite kennenzulernen.

Berg: Wie waren diesmal die Reaktionen Ihres Doktorvaters?

Rudolf: Zunächst hat er die Büchersendung einige Zeit später ungeöffnet zurückgesandt, so jedenfalls berichtete es mir der vorhin erwähnte Bekannte.

Berg: Er hatte also kein Interesse daran, die Argumente der anderen Seite anzuhören. Hat er sich damit nicht massiv gegen den von Ihnen gerade zitierten recht fundamentale Leitsatz der Wissenschaft vergriffen?

Rudolf: Ich glaube nicht, daß dieser Themenbereich für Prof. v. Schnering eine Frage der Wissenschaft ist. Er fühlte sich damals mit diesem Thema wohl fachlich überfordert und hat es daher abgelehnt, irgendwelche Argumente zur Kenntnis zu nehmen, die er nicht überprüfen kann, die aber nach Auffassung der ihm bekannten Fachhistoriker, auf die er vertraut, falsch sind.

Berg: Und wie reagierte er auf Ihr Gutachten?

Rudolf: Diese Frage ist nun weitaus interessanter. Abgesehen von einigen unwichtigen Nebenkriegsschauplätzen, die nichts mit meinem Gutachten zu tun hatten, griff er mich im August 1992 bezüglich zweier Punkte an, die ich hier kurz beschreiben will.

  1. Ich erwähne in meinem Gutachten nur kurz, daß es unmöglich sei, wie bezeugt mit den Abgasen aus Dieselmotoren russischer Beutepanzer Menschen massenhaft zu töten und führte als Beleg im wesentlichen die Ausführungen an, die Sie, Herr Berg, vor etwa 10 Jahren im Journal of Historical Review gemacht haben. Herr von Schnering warf dagegen ein, daß die Russen überhaupt keine Dieselmotoren in ihren Panzern gehabt haben können, da der Diesel im russischen Winter zähflüssig, ja hart geworden wäre. Es sei daher völlig irrelevant, über die Tötungsfähigkeit von Dieselmotoren zu spekulieren. Dieser Fehlschluß von mir zeige außerdem, daß ich offensichtlich alle Argumente, die gegen meine These sprechen würden, fein säuberlich ausgeblendet hätte.
  2. Prof. v. Schnering führte weiter aus, daß auch die Analyse von Gemäuerproben völlig sinnlos sei, solange nicht bewiesen sei, daß die Opfer nicht alle Blausäure durch ihre Atmung aufgenommen hätten. Erst wenn mit Sicherheit feststeht, ob und wenn dann wieviel Blausäure nach einer Vergasung noch in der Luft gewesen sei, könne man die Analysenergebnisse korrekt interpretieren.

Auch diese Überlegungen, die in meinem Gutachten nicht zu finden seien, ließen meinen Doktorvater zu der Schlußfolgerung kommen, daß ich offensichtlich alle gegenläufigen Argumente ausblende bzw. ignoriere. Es sei zwar nachvollziehbar, daß man sich wünsche, das schreckliche Geschehen von damals aus der Welt zu schaffen. Es sei auch verständlich, wenn heutige Generationen das unfaßbare Geschehen von damals nicht glauben könnten und daher dazu neigen würden, es zu negieren. Wenn ich allerdings als Wissenschaftler anfange, Wunschergebnis zu produzieren, so sei dies grob unwissenschaftlich und würde beweisen, daß ich eines akademischen Titels unwürdig sei. Er riet mir daher, jede Tätigkeit in dieser Richtung in Zukunft zu unterlassen und fügte zum Schluß an, daß er mein Gutachten am liebsten verbrennen würde, wenn er es damit aus der Welt schaffen könnte.

Berg: In guter Tradition der Bücherverbrennungen.

Rudolf: So kann man es sehen.

Berg: Fühlen Sie den Wunsch, das tatsächlich oder vermeintlich damals Geschehene ungeschehen zu machen?

Rudolf: Ich glaube, daß nur abnormale Judenhasser sich wünschen, daß damals ein Massenmord an den Juden stattgefunden hat, und ich hasse die Juden nicht. Aber ungeschehen machen kann man nichts, daher erübrigt sich diese Frage. Besser ist da schon die Frage, ob die heutige Generation den Holocaust für so unfaßbar hält, daß sie deswegen zu dessen Negierung tendiere. Tatsache ist doch vielmehr, daß jeder Deutsche heute die Holocaust-Geschichte schon mit der Muttermilch aufnimmt und daß es in der Veröffentlichkeit überhaupt keine Zweifel an der Wahrheit dieser Darstellung gibt. Der Holocaust ist daher eine der absolut unverrückbaren Größen im Bewußtsein des heutigen Deutschen, und so war er es auch bei mir bis zum Jahre 1989. Wirklich unfaßbar wäre für den heutigen deutschen Durchschnittsbürger doch nur eines, nämlich daß der Holocaust eine Lüge ist. Ich bin daher der Meinung, daß genau anders herum ein Schuh daraus wird: Unfaßbar ist nicht der Holocaust. Wir haben uns längst daran gewöhnt, mit ihm in friedlicher Koexistenz zu leben. Unfaßbar wäre dagegen, wenn sich der Polarstern unseres Weltbildes, der Holocaust, plötzlich als Sternschnuppe entpuppt. Und das gilt ganz besonders für die Intellektuellen wie Herrn Prof. v. Schnering, die sich doch immer für so gescheit halten und im Falle einer Lüge anerkennen müßten, daß sie einen totalen intellektuellen Schiffbruch erleiden. Daher sehe ich eher die Gefahr, daß diese Intellektuellen aus geistiger Unflexibilität dazu neigen, ihr althergebrachtes Weltbild, in dem sie sich so häuslich eingerichtet haben, gegen alle Angriffe von außen zu verteidigen. Sie haben also zuallererst den Wunsch, keine Revolution ihres Weltbildes zuzulassen. Indem sie also den Holocaust unter Ausblendung eventueller Gegenargumente verteidigen, produzieren sie ihr Wunschergebnis.

Berg: Zurück zu den Sachfragen. Inwiefern waren die sachlichen Einwendungen von Prof. v. Schnering angebracht?

Rudolf: Sie waren auf jeden Fall nicht unbegründet. Ich versprach daher Prof. v. Schnering, die Sache noch einmal zu überdenken. Nach diesem Gespräch habe ich eine schlaflose Nacht verbracht und mich danach noch einmal auf den Hosenboden gesetzt und versucht, die aufgeworfenen Fragen zu klären. Dabei hat sich zu den beiden aufgeführten Punkten folgendes ergeben:

  1. Die Russen haben in ihren schweren Panzern tatsächlich durchweg Diesel-Motoren eingesetzt. Dies zu belegen fällt nicht schwer, da die damaligen Dokumentationen wie die heutigen Fachveröffentlichungen voll von Spezifikationen sowjetischer Weltkriegswaffen sind.
  2. Die These, daß die vermeintlichen Vergasungsopfer alle Blausäure aufgenommen hätten, wurde bereits vor Prof. v. Schnering im November 1991 von G. Wellers aufgestellt. Allerdings muß für dieses Szenarium zweierlei gegeben sein: a) Das Zyklon B muß das Gift sehr schnell abgeben und b) die Opfer müssen solange leben, bis die Luft in dem Vergasungskeller durch ihre Lungen annähernd sauber gefiltert wurde. Beides war nicht gegeben. Zyklon B gibt auch bei Raumtemperatur sein Gift über 2 Stunden ab. Die Opfer sollen aber nach den Zeugenaussagen innerhalb von wenigen Minuten gestorben sein. Das heißt einerseits, daß man zur schnellen Tötung große Zyklon B-Mengen hätte anwenden müssen, und andererseits, daß die Opfer innerhalb dieser kurzen Zeit niemals in der Lage gewesen wären, die Luft um sie herum zu säubern, geschweige denn, das noch im Zyklon B befindliche Gift aufzunehmen.

Berg: Mit anderen Worten: Die Gegenargumente Ihres Doktorvaters brechen bei genauerer Betrachtung in sich zusammen?

Rudolf: So ist es. Und mehr noch: Offensichtlich hat mein Doktorvater sich bezüglich der sowjetischen Panzermotoren noch nicht einmal die Mühe gemacht, zu eruieren, wo denn hier die Wahrheit liegt. Er hat eine unbegründete These aufgestellt, die es ihm erlaubt hat, seinen Wunsch zu ermöglichen, nämlich sein Weltbild nicht in Frage stellen zu müssen. Oder genauer: Er hat mögliche Gegenargumente ignoriert, um sein Wunschbild zu stützen.

Etwas anders sieht es bezüglich der Blausäurefrage aus. Hier hat er nicht wie G. Wellers die These aufgestellt, daß die Opfer alle Blausäure aufgenommen hätten, sondern er hat nur gefordert, daß man dies ausschließen können muß, wenn man überhaupt Schlußfolgerungen ziehen will.

Berg: Wie hat er nun auf Ihre bessere Argumentation reagiert?

Rudolf: Ich habe Sie ihm vorerst verschwiegen, da ich wußte, daß ein erneuter Vorstoß von mir in dieser Sache nur in einem Desaster enden würde. Prof. v. Schnering hat während der ganzen Auseinandersetzung sehr deutlich gezeigt, daß er nicht gewillt ist, Argumente zu Kenntnis zu nehmen, die seiner Auffassung von der Welt widersprechen. Ich hielt es daher für besser, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Schließlich ging ich Ende 1992 daran, meine Doktorarbeit fertigzuschreiben. Ich brauchte meine Kraft also für andere Dinge. Allerdings hatte ich einige Unterlagen, die meine Thesen stützen, von Autoren wie Fritz Berg, John Ball und von der Polish Historical Society, bei mir im Schreibtisch für den Fall, daß das Thema noch einmal angesprochen würde.

Berg: Wurde es erst wieder durch die unautorisierte Verbreitung des Gutachtens durch Generalmajor Remer im April 1993 ans Tageslicht geholt?

Rudolf: Richtig, und zwar auf eine für mich fatale Weise.

Berg: Wurde während dieser Ereignisse inhaltlich über ihr Gutachten gesprochen?

Rudolf: Mein Doktorvater griff mich mit den gleichen Argumenten wie im August 1992 an, u.a. mit der Dieselgeschichte. Ich erwiderte ihm daraufhin, daß er hier einfach im Unrecht sei und daß ich ihm die Unterlagen, die in meinem Schreibtisch lägen, sofort geben würde. Er ließ mich aber mit dem Hinweis abblitzen, daß ihn das jetzt nicht interessiere. Ich habe ihm daher kurzentschlossen diese Unterlagen per Einschreiben zugesandt, worauf dieser nach Erhalt der Sendung völlig außer sich geriet. Er meinte in Anwesenheit von Prof. Simon, dem seinerzeitigen frisch gekürten Geschäftsführenden Direktor des Max-Planck-Institutes, daß es eine Unverschämtheit sei, ihm diese Unterlagen, die ihn nicht interessierten, per Einschreiben zuzusenden, da er dadurch nicht die Möglichkeit habe, diese Sendung abzulehnen. Er warf mir die geöffnete Sendung hin und führte aus, daß er das von mir beigelegte Schreiben aus Dokumentationsgründen behalten werde, daß er aber einen Teufel tun werde, die Dokumente auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Ich frug ihn darauf, was er nun eigentlich sei: ein Dogmatiker oder ein Naturwissenschaftler. Er ging aber darauf nicht ein.

Berg: Das Verhalten Ihres Doktorvaters, also die schon hysterisch zu nennende Ablehnung potentiell gegenläufiger Argumente, ja sogar schon die Verweigerung deren Zurkenntnisnahme, das unkontrollierte und teilweise unfundierte Produzieren von Wunschergebnissen, sind ja Eigenschaften, die nach seinen eigenen Ausführungen ihn für unwürdig erscheinen lassen, einen akademischen Titel zu tragen. Müßte er jetzt nicht seinen Lehrstuhl zurückgeben und seien Doktortitel ablegen?

Rudolf: Wenn er den Anforderungen gerecht werden will, die er an andere stellt, dann ja. Wenn dies zur allgemeinen Richtlinie erhoben würde, fürchte ich bloß, daß es dann in Deutschland bald gar keine Akademiker mehr gäbe. Das wäre eine schlechte Lösung für unsere momentane Akademikerschwemme.

Berg: Hat man Sie aufgefordert, sich von Ihrem Gutachten zu distanzieren?

Rudolf: Erstaunlicherweise nein. Man forderte mich nur auf, mich von der Aktion Remers sowie von der von ihm herausgegebenen Version aufgrund der Remer’schen Kommentare zu distanzieren. Auf mein Nachfragen, ob sich diese Distanzierung auch auf den Inhalt meines Gutachtens beziehen solle, antwortete mir Prof. Simon ausdrücklich mit nein.

Berg: Hätten Sie es auf Verlangen getan?

Rudolf: Einen Teufel hätte ich. Wenn man mir überzeugende Argumente bringt, die mich umstimmen, so bin ich gerne bereit, meine Meinung zu ändern. Mit Gewalt erreicht man bei mir nur das Gegenteil.

Berg: Das war alles, was an Inhaltlichem von der Professorenschaft vorgebracht wurde?

Rudolf: Nun, Prof. Simon hat sich kurz danach in einem Gespräch unter vier Augen für das unmögliche Benehmen meines Doktorvaters entschuldigt. Er zeigte zudem Verständnis dafür, daß ein Mitglied der jüngeren Generation sich daran macht, den Holocaust-Komplex unvoreingenommen zu untersuchen. Er führte u.a. sinngemäß aus, daß an meinem Gutachten im Prinzip nichts auszusetzten sei, wenn man von zwei Dingen absehen würde. Erstens dürfte ich Gaskammern nicht in Anführungszeichen setzen, wie ich es durchweg in meinem Gutachten getan hätte. Dies würde andeuten, daß ich voreingenommen an dieses Gutachten herangegangen wäre, da diese Anführungszeichen bereits einen Zweifel formulierten. Zweitens dürfte ich nicht zu so weitreichenden Schlußfolgerungen nur aufgrund von Zeugenaussagen kommen, da ich aus eigener Erfahrung wissen müsse, wie unzuverlässig Zeugenaussagen seien.

Berg: Was haben Sie ihm darauf erwidert?

Rudolf: Nun, wer mein Gutachten gelesen hat, der weiß, daß der Begriff Gaskammer bis zur Entstehung des Holocaust ein Fachbegriff für Sachentlausungskammern war. Da auch diese in meinem Gutachten abgehandelt werden, waren Begriffsverwirrungen abzusehen. Ich habe daher in einem Kapitel zu Beginn des Gutachtens Begriffsdefinitionen gesetzt, bei denen die Menschengaskammern, ein Vulgärbegriff, grundsätzlich in Anführungszeichen gesetzt werden, um sie vom Fachbegriff Gaskammer abzuheben.

Schließlich muß man sich vergegenwärtigen, was ich Prof. Simon allerdings nicht gesagt habe, daß auch die Ausgangsthese, die die Existenz der Menschengaskammern als gegeben postuliert, nicht weniger voreingenommen ist. Daß sie heute die Regel ist, nimmt ihr nichts von ihrer Voreingenommenheit. Außerdem sollte man bei einem Gutachten in einem Strafprozeß nach alter Rechtstradition davon ausgehen, daß bis zum Beweis des Gegenteils der Angeklagte unschuldig ist, daß also der untersuchte Gegenstand erst dann zur Tatwaffe Gaskammer ohne Anführungszeichen wird, wenn die Tat damit bewiesen ist. Setze ich die Tat mit diese Tatwaffe hingegen als gegeben voraus, so signalisiere ich, daß die Tat schon bewiesen ist und daß es keiner Untersuchung mehr bedarf. Dann kann ich mir das Gutachten auch sparen.

Auch hier wird daher anders herum ein Schuh daraus: Wer Gaskammer, verstanden als Menschengaskammer, von Anbeginn einer wissenschaftlichen Untersuchung an ohne Anführungsstriche schreibt, vergreift sich nicht nur an der Fachterminologie, sondern auch an unseren rechtsstaatlichen Prinzipien.

Berg: Und was ist gegen das Argument, die Zeugenaussagen seien eine schwache Stütze für die Erstellung von Gutachten, einzuwenden?

Rudolf: Ich habe auf die Feststellung Prof. Simons über die Unzuverlässigkeit von Zeugenaussagen nur mit einem Wort geantwortet: Eben.

Es ist schon erstaunlich, wenn ein Professor es ablehnt, Zeugenaussagen für die Entlastung zu akzeptieren, wenn er gleichzeitig schweigend und unreflektiert akzeptiert, daß allein aufgrund der gleichen unzuverlässigen Zeugenaussagen Hunderte Menschen zum Tode und Tausende zu z.T. langen Haftstrafen verurteilt werden, daß ein ganzes Volk entrechtet, eine ganze Nation für Jahrzehnte in Acht und Bann geschlagen wird. Prof. Simon ist sich nicht klar darüber, wie unzuverlässig diese Zeugenaussagen sind. Er meint, sie würden nur in einigen Details, die ich z.T. in meinem Gutachten zu Rate gezogen habe, irren. Sie irren (oder lügen?) aber in einem Ausmaß, das man erst erkennen kann, wenn man seine Scheuklappen ablegt und die Aussagen mit wachem Verstand im Original liest. Wie aber soll ich dies einem Professor Simon, der es z.B. ablehnt, das Buch von Ernst Gauss Vorlesungen über Zeitgeschichte von mir als Geschenk anzunehmen, beibringen können? Auch Prof. Simon sperrt sich gegen unliebsame Argumente.

Berg: Sind die Herrn Prof. Simon in den Mund gelegten und auf der zweiten Umschlagseite Ihres Gutachtens veröffentlichten Äußerungen über das Tabu Judenvergasung, das die deutschen Forscher nicht aufgreifen dürften, und über die Tatsache, daß die Deutschen geringere Rechte hätten als die anderen Völker und daß man dies zu akzeptieren habe, authentisch?

Rudolf: Diese Äußerungen, die ja eine intellektuelle Bankrotterklärung ohne gleichen darstellen, sind in dem gleichen oben erwähnten Gespräch tatsächlich gefallen. Allerdings habe ich davon keine wortlautgetreue Aufzeichnung, sondern am gleichen Abend nur ein sinngemäßes Gedächtnisprotokoll angefertigt. Auf diesem basieren diese nach meinem Dafürhalten durchaus wirklichkeitsnahen Zitate.

Berg: Ist Ihnen bekannt, ob unter den Chemikern in Deutschland mittlerweile eine Diskussion in Gang gekommen ist?

Rudolf: Meines Wissens nicht. Symptomatisch ist eher die Reaktion, die ein Bekannter von der Hoechst AG erhielt. Man verwahrte sich dort vor jeder weiteren Zusendung unbeliebten Materials, da diese Art der Thematisierung durch den Bundesgerichtshof verboten worden sei. Es scheint tatsächlich keine wissenschaftlichen Gegenargumente zu geben, jedenfalls werden keine gesucht. Jeder verschanzt sich hinter einem Strafgesetz, das uns – Gott sei Dank – davor bewahrt, umdenken zu müssen!

Berg: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.